1. Ortsgründung - Alterzgebirge

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1. Ortsgründung

In: Max Grohmann "Das Obererzgebirge und seine Städte in Sage und Geschichte".
Gleich vielen andern Orten unsers Erzgebirges hat auch Wolkenstein durch verheerende Brände früherer Zeiten weitaus den größten Teil seiner städtischen Urkunden verloren, zuletzt durch den Stadtbrand vom 20. Mai 1802, wodurch sowohl das Ratsarchiv als auch ein kleiner Teil der Kirchenbücher vernichtet wurden.

Und so sind wir bei Beantwortung der Frage nach der Entstehung von Schloß und Stadt Wolkenstein auf die kümmerlichen Angaben angewiesen, die verschiedene Chronisten des Erzgebirges, unter denen hier ein Ortskind, Köhler, mit seinen "Historischen Nachrichten von der chursächsischen alten freyen Bergstadt Wolkenstein" aus dem Jahre 1781 besonders erwähnt sei, in ihren Büchern aufgezeichnet haben.

Wie die meisten derjenigen, denen die Liebe zu ihrer Heimat die Feder in die Hand gedrückt, ist auch Köhler bemüht, den Ursprung Wolkensteins in die ältesten Zeiten zu rücken und erzählt, daß bereits im 7. oder 8. Jahrhundert nach Christo Schloß und Städtlein von den flußaufwärts vordringenden Sorbenwenden angelegt worden seien, vergißt auch nicht, gewissenhaft die verschiedenen Deutungen des Namens Wolkenstein, der sich aus der Lage des Ortes hoch über dem Zschopauflusse am einfachsten erklärt, hinzuzufügen, von denen der Merkwürdigkeit wegen die eine hier wiedergegeben sei: im Wendischen bedeutet stajni eine Stellung, Besatzung, einen Posten für Söldner, woljaku aber belauern. Demnach ergäbe sich Wolkenstein als ein Burgwart, der zur Wacht gegen etwelche Feinde errichtet wurde.

Ob es gleich nicht unmöglich ist, daß die Sorben zuerst die günstige Lage zur Anlegung einer Befestigung benützten, da die Gründung verschiedener Orteb in der Nachbarschaft, z. B. der Dörfer Wiltzsch und Gelenau, ja sogar solcher in noch höher gelegenen Teilen des Gebirges durch südwärts ziehende Sorben erfolgte, welche der Herrschaft der deutschen Sieger entrinnen wollten, so muß doch entschieden die Richtigkeit der Zeitangabe bezweifelt werden, da damals die ackerbauenden Sorben im ungestörten Besitze der Niederungen waren und ihnen ein Vordringen in die Wildnis des undurchdringlichen Waldes nicht in den Sinn kommen konnte. Erst nachdem durch Heinrich I. und Otto I. ihre Macht gebrochen und sie der Herrschaft der eingedrungenen Franken und Sachsen unterworfen waren, also im 10. Jahrhundert, zogen zahlreiche sorbische Geschlechter in das unfreundliche, wildreiche Gebirge, um sich hier eine neue Heimat zu gründen, in der sie frei von der Zinsherrschaft der deutschen Herren und Priester ihren alten Glauben leben konnten.

Ob nicht vielmehr die Schlösser Wildeck in Zschopau, Scharfenstein und Wolkenstwein mit den zugehörigen Ortschaften nahezu gleichzeitig von Deutschen erbaut sein sollten?

Vermutlich ist Wildeck, an einem alten Flußübergange des Straßenzuges aus Sachsen über das Erzgebirge nach Böhmen gelegen, unter Heinrich I., dem Städteerbauer, zum Schutze des den Sorben abgenommenen Grenzgaues Dalaminzien gegen die in Böhmen sitzenden Tschechen erbaut worden, wofür einmal die Bauart des "dicken Heinrichs", eines runden Turmes im Schloßhofe, zum andern aber die dem Schlosse Wildeck von den Dörfern Krummhermersdorf und Gelenau zu leistenden Beiträge und Frondienste sprechen.

Scharfenstein hat einen ähnlichen Turm, Schloß Wolkenstein nicht, was indes bei den vielfachen Umbauten die es im Laufe der Jahrhunderte erfahren haben dürfte, nicht als Gegenbeweis betrachtet werden kann.

Uebrigens befanden sich schon frühzeitig die 3 Schlösser im Besitze eines Geschlechtes, wie wir bald sehen werden.

Im Jahre 1241 übergab Markgraf Heinrich dem Kloster Buch etliche Dörfer. Darunter befand sich auch das eine kleine Stunde von Wolkenstein entfernte Dorf Streckewalde, eines der ältesten Dörfer dieser Gegend, das - nach der Urkunde - von einem Hugo, miles de Waldenberc (der auch Herr von Wolkenstein war), aufgelassen worden war.

Hieraus ergiebt sich nicht allein das Bestehen Wolkensteins im Jahre 1241, sondern auch die Zugehörigkeit des Dorfes Streckewalde und - wie wir hier auf Grund verschiedener Urkunden hinzufügen - der übrigen Dörfer der Umgegend zum Schlosse.

Und da nun weiter urkundlich nachgewiesen ist, daß nicht allein in dem vom linken Preßnitzufer an am Berghange sich hinziehenden Streckewalde, sondern auch
 
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