41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege - Alterzgebirge

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41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege

In: Max Grohmann "Das Obererzgebirge und seine Städte in Sage und Geschichte". Annaberg 1903

a. Die Kriegsereignisse

Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten weltlicher wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten, Zinsen und Abgaben aller Art zu leisten. Luther sagt: „Wenn der Acker eines Bauern so viel Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die Ansprüche der Herren vergrößern.“ Die Reformation sollte ihnen auch ihre Menschenrechte vor die Seele führen. Mannigfache Flugschriften erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine Bewegung, die man den Bauernkrieg nannte. In 12 Artikeln waren die Forderungen der Bauern zusammengefaßt.

An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders Ernst von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge ausgedehnte Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern, die in seinem Gebiete Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen ausstechen.

Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen bei Reichenbach die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit fortgerissen wurden von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern entstanden zunächst in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von Annaberg und Schellenberg, Anton von Kospoth, der in letzterem Orte seinen Wohnsitz hatte, bald in Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu stiften. Er gab dem Herzog Georg den Rat, die Schätze der Annenkirche auf Schellenberg zu verwahren. Die Stadt aber blieb still und erklärte, zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging von diesem das Ersuchen, sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. Feldhauptmann Utz von Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. In Thum, Geyer und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten Maueranschläge zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger wegen ihrer Weigerung: „Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger gekommen.“

Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten Zuzug erhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue, tranken dem Probst das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches Getreide davon. Dann wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der Abt schickte eiligst zum Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um Hilfe. Dieser ritt mit wenigen nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern die Bewachung des Klosters übernahm. Abt und Mönche wandten sich nach Annaberg. Als das Kloster dem Richter und den Schöffen zu Grünhain zur Verwahrung gegeben war, wurde es bald eine Beute der Aufrührer, die es plünderten. Von Grünhain wandten sich die Haufen nach Schlettau, bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. Ein anderer Haufe zog nach Raschau und zerstörte die Kirche.

Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und siedelte nach Freiberg über.

Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen wollten. Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern.

In Joachimsthal hatten sich die Leute der Grafen von Schlick in gefahrdrohender Weise erhoben, das Schloß eingenommen und geplündert. Da vermittelte der Rat von Annaberg mit Glück durch Abgesandte zwischen den Streitenden.

Wolf Göftel und Andreas Ziehner waren immer unterwegs, um aufzuregen. Sie machten den erzgebirgischen Bauern die Artikel und verpflichteten sie, indem sie jeden eine Hand aufheben ließen, zum Zeichen, daß er bei ihnen stehen wolle.

Den Geyerschen versprach Göftel mit den Bauern Hilfe. Das Bestreben der Führer ging dahin, den Edelleuten ihre Sitze zu stürmen, den Fürsten ins Land zu fallen, die Obrigkeit zu vertreiben, Wildbret und anderes frei zu haben, die Klöster zu stürmen. Wenn sie in Grünhain, Marienberg und Wolkenstein Glück gehabt hätten, wollten sie nach Chemnitz und Kloster Zelle.

Zuerst fiel ihnen die Pfarre zu Mildenau zum Opfer. Die Mildenauer teilten den Königswaldern mit, daß die Pfarre leer stehe, da der Pfarrer geflohen sei; da zog der unternehmungslustige Richter Rebentisch mit einer Anzahl Gesellen Sonntag, den 14. Mai, nach Mildenau. Er kehrte um, aber die übrigen drangen in die Pfarre ein, plünderten und zerschlugen alles und tranken dem Pfarrer das Bier aus. Kospoth war auf diese Nachricht sofort mit 12 Pferden aufgebrochen. Bei seinem Erscheinen verliefen sich die Aufrührer, sodaß er nur einige von ihnen gefangen nehmen konnte. Weidenbach, der Wolkensteiner Amtmann, dem sie übergeben wurden, ließ sie frei. Da wurden die Marienberger nötig und überfielen die Rückerswalder Pfarre. Die Mildenauer zogen nach Schönbrunn. Sie nahmen die Pfarre ein und trieben allerlei Unfug. Lukas Merten aus Wolkenstein machte Butter in der Pfarre; dessen Sohn schlachtete eine Kuh und kochte auch sogleich das Fleisch; Eulner aus Neundorf zerschlug mit dem Berghammer ein Kruzifix und warf es ins Wasser; Petzold aus Neundorf hieb dem Johannisbilde, das in der Schönbrunner Pfarre hing, den Kopf ab, hing es an den Füßen auf und trug es im warmen Bade umher zur Freude des Wirtes.

In Geyer unterblieb die Erstürmung der Pfarre, da es zum Ausgleich kam. Die Drehbacher wollten sich gegen ihre Herren, die von Stangen auf Drehbach, erheben. Gegen 400 Mann zogen vor das Schloß und verlangten Freisprechung. Rudtloff von Stangen aber, ein furchtloser Mann, erklärte, würden sie ihm und seiner Mutter etwas nehmen, so würde er sie in Haus und Hof verbrennen. Da zogen sie ab.

In Zöblitz suchten zwei Häuer aus Marienberg Unruhe zu stiften. Sie fanden Anhang. Die Aufständischen hatten vor, die Zöblitzer Pfarre zu plündern, die aber geschützt wurde. Um diese Zeit ward auch die Pfarre zu Lauterbach geplündert.

Am 17. Mai ließen die Gemeinden, die Herzog Heinrich unterthan waren, als Schönbrunn, Neundorf, Wiesa, Drehbach, Venusberg, damals Fenchberg genannt, und Hilbersdorf ihre Beschwerden durch den Wolkensteiner Amtmann Balthasar von Weidenbach an den Herzog gelangen.

Erfüllt wurden die Forderungen der Bauern nicht. Nach der Niederlage bei Frankenhausen zerstreuten sich die Unruhestifter. Viele flohen, um harter Strafe zu entgehen, die auch nicht ausblieb. Herzog Georg erschien bald im Erzgebirge. Am härtesten verfuhr Ernst von Schönburg gegen die Aufständischen. Milde war Kurfürst Johann.

In Annaberg wurden vom Herzog Georg viele ausgewiesen oder in Gefangenschaft gesetzt. Andere mußten die Mauern um Annaberg bauen helfen. Herzog Heinrich ließ die Richter zu Mildenau, Arnsfeld und Schönbrunn köpfen. Die Geringswalder und Rückerswalder wurden gespießt, viele verloren ihre Güter.

Wolf Göftel, der Hauptführer im Erzgebirge, war entflohen. Ernst von Schönburg schrieb an Herzog Georg, er haben dem Pfarrer zu Penitz die Ohren abschneiden lassen. Zu Hartenstein ließ er einen henken und fünf köpfen. In Elterlein büßten ebenfalls sieben die Köpfe ein, fünf ließ er in der Scheibe einziehen, einen bei Rotensehma spießen und viele andere an Geld und Freiheit strafen. Das war das Ergebnis der bäuerlichen Bewegung.

Nach Dr. Wolf.



b. Die 12 Artikel der Bauern.

Eine allgemeine Gährung hatte sich der Gemüter bemächtigt. Wanderprediger und Flugschriften trugen die Gedanken in das Volk hinaus. Auf der einen Seite war lästig der Druck der Kirche und des verderbten Pfaffenwesens, auf der anderen der Druck der weltlichen Herren und die Vorrechte der Städte. Man darf sich nicht wundern, wenn die Bewegung nächst der religiösen auch bald eine politische und soziale Färbung annahm.

Die „zwölf Artikel“ der Bauern geben ein Bild ihrer Forderungen. „Die Gemeinde soll das Recht haben, den Prediger zu wählen und zu entsetzen .... Der Prediger soll das reine Evangelium lehren .... Der große Zehnte vom Getreide soll dem Pfarrer zum Unterhalte dienen; der kleine Zehnte von den übrigen ländlichen Erzeugnissen und das Ehegeld soll abgeschafft sein .... Sie wollen nicht unfrei sein, nicht Hörige, Lite, Lassen, sondern freie Männer .... Die Frondienste sollen aufhören und mit ihnen die Belastung der Güter und die Hutungsrechte .... Gemeindeäcker, Wiesen und Forsten sollen an die Gemeinden zurückgegeben werden .... Jagd und Fischerei frei sein.“ Allen auf die 12 Artikel gegründeten Forderungen war das Örtliche und Persönliche in reichem Maße beigemischt.

Das Thun und Treiben der Bauern stand in vollem Widerspruche zu ihren Erklärungen von Gehorsam, Gesetzlichkeit und Willigkeit, sich eines besseren belehren zu lassen. Lärmen, Toben, Sausen, Fressen, Unbotmäßigkeit, Plündern, Rauben, Verwüsten, Sengen und Brennen: das waren ihre Heldenthaten.



c. Anzeichen für den Bauernkrieg.

Lehmann erzählt von einem Sturme, der für Abergläubische als Anzeichen des Bauernkrieges galt. Ein Anzeichen war es, als am 15. Februar 1525 des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet wurde. Es wurde so getrennt, daß das Hinterteil des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und der eisernen Feder geborsten und das Vorlegeschloß samt dem Kloben, der das Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel geschränkt, eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen gelegen. Dieser ungemeine Sturm hat den damaligen Bauernkrieg nach sich gezogen.

 
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