Annaberg anno 1729 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1729

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Nach dem Neuen Jahr fing der Hauptmann Winckelmann, der hier lag, an zu werben. Er nahm die Handwerksburschen aus den Werkstätten weg, ein Teil mußte bleiben, etliche kamen wieder los. Aber es währte nicht lange, im Monat März fing er wieder an zu werben, und nahmen die Handwerksburschen aus den Werkstätten, auf der Straße, wen sie konnten kriegen, fielen auch in die Häuser ein, daß viele Bürgerskinder wandern mußten, daß sie sich nicht bei ihren Eltern haben aufhalten dürfen, weil sie dort nicht sicher gewesen. Welch ein Wehklagen ist allhier gewesen, das kann man nicht beschreiben. Aller Handel und jedes Handwerk ist zurückgegangen und haben großen Schaden erlitten.

Am 28. April wurde schließlich ein königlicher Befehl veröffentlicht, daß die fällige Werbung aufgehoben sei.

Den 11. Februar, an einem Freitag, wurde die Jungfer, die zu Crottendorf ihre Mutter vergiftet hat, mit dem Schwert gerichtet. War ein großer Schnee und es schneite auch sehr. Der Scharfrichter hat dreimal zugehauen und doch mit dem Schwert folgsten abgeschnitten. Sie wurde auf das Rad gelegt, den Kopf auf das Rad genagelt.

Im Monat März mußten die ledigen Weibspersonen in die Kämmerei Geld geben, im Jahr zwei Groschen, und wenn sie gleich das Almosen haben bekommen, sie haben es müssen geben.

Den 17. März, zwischen 11 und 12 Uhr, wurde durch den Schinderknecht eine Hure hinaus getrommelt.

Den 19. April, als den dritten Ostertag, wurde Herrn Christian Portenreuters junge Frau abends beigesetzt, aber zuvor zwischen 3 und 4 Uhr kam bei ihm Feuer aus. Es brannte die Esse, wurde ohne größeren Schaden wieder gelöscht.

Den 21. Mai, Sonnabend, abends wie der Türmer läutete, ist der Klöppel aus dem Glöckel herunter auf die Gasse gefallen, und so ist nicht geläutet worden bis Montag um 7 Uhr.

Am 21. Mai war die Bürgerschaft auf dem Rathaus, weil der Rat sagte, daß er der Bürgerschaft viel Vorschuß an Schwedengeldern getan. So ist verglichen worden und die Bürgerschaft hat dem Rat bewilligt 700 Taler aus der Zappenkasse zu bezahlen alle Jahr mit 50 Taler.

Den 13. Juni wurde der Vogel abgeschossen, König wurde Herr Scheuereck, ein Advokat.

Den 18. Juli, an einem Montag zwischen 1 und 2 Uhr, kam Feuer aus am Böhmischen Tor bei dem Torschreiber ... Schieffner, es ist wieder gelöscht worden.

Am 18. Juli ist ein königlicher Befehl an den Rat gekommen, daß sie sollten elf Mann schaffen in der Eile, alle die 3 Ellen 2 Zoll lang sein sollen. Den Dienstag zu Mittag wurden alle Tore zugehalten und sind die Freischützen aufgeboten worden und mit den Ratsherren herumgegangen in die Häuser, wo man hat Nachricht gehabt, es mögen ledige Burschen zu finden sein, die die Länge haben als 3 Ellen 2 Zoll. Haben etliche bekommen, aber etliche sind auch wieder losgekommen. Dienstagabend sind auch noch Bürger aufgeboten worden und die Stadtmauern besetzt worden, damit keiner über die Mauer springen möchte. Am Mittwoch sind die Freischützen wieder von den Toren abgezogen und die Tore wieder aufgemacht worden bis auf weiteren Bescheid.

Den 3. August, am Mittwoch, gingen die Büttel und Ausreiter von Haus zu Haus herum und mußte ein jedweder Bürger sagen, was sie für Hausleute und was sie für Gesellen hätten und wurden aufgeschrieben.

Den 10. August wurden die Leute gemessen auf dem Rathaus. Es sind die Bürger mit ihren Gesellen und Kindern zu unterschiedlichen Malen auf dem Rathaus gewesen, sind auch Bürger und ledige Burschen herausgenommen worden, aber viele sind auch wieder losgekommen, besonders die Bürger, die Weib und Kind haben gehabt.

Den 17. August, daß sie sollten Berge und Falten abtreiben und eben machen, zogen die Soldaten nach Freiberg, aber den 19. August sind sie wieder zurück gekommen. Am Michaelistag waren sie auf nach Chemnitz, da kam das Regiment zusammen; haben kampieren müssen im Felde. Kamen nach drei Wochen wieder. Am 4. November brachen sie wieder auf und kamen nach Dresden.

Den 1. September, an einem Donnerstag, kam Feuer aus in Herrn Richters Haus in der Großen Kirchgasse, als bei Herrn Hilbert, Richter zu Kleinrückerswalde. Es ist verwahrloset worden durch einen soldaten, der ist auf den Boden gegangen und hat Tabak getrunken [geraucht] und hat die Pfeife ausgeklopft, und danach ist das Feuer angegangen. Der da in Quartier gelegen ist der Leutnant gewesen. Das Feuer ist gelöscht worden.

Den 28. September haben die ledigen Handwerksburschen, die in Arbeit sind gestanden, jedweder einen halben Taler geben müssen und die Zunftmeister haben es müssen einnehmen und auf das Rathaus bringen.

Den 26. Oktober ersäuft Michael Schleger aus Königswalde in dem Teich, wo man von Annaberg hineingehet auf der Amtsseite. Er wurde bewacht bis Montag früh um 3 Uhr und auf dem Gottesacker begraben.

Den 10. November kamen von Dresden neue Soldaten hier ins Quartier.

Diesen Herbst wurden im ganzen Land Almosen gesammelt für die abgebrannten Leute, was ein jeder Bürger wollte geben, und wurde nach Dresden geschickt alle Vierteljahr einmal. Es durfte weiter kein Abgebrannter mehr herumgehen, sondern diese sollten in Dresden bekommen.

Den 21. November, an einem Montag, wurde Schlossermeister Johann Paulus Weiser sein Sohn, mit Namen Johann Friedrich, ein Schlossergesell, Diebstahl halber eingezogen. Im Eckhaus neben der Apotheke, wenn man will die Große Kirchgasse heraufgehen, ist er im Gewölbe ergriffen worden, hat viele Sachen zusammengestohlen. Er hatte einen ordentlichen Schlüssel zu dem Gewölbe gehabt. 1730, den 21. Juni, tat der Vater einen körperlichen Eid, daß er von seines Sohnes Diebstahl nicht gewußt hatte. Der Sohn kam den andern Tag ohne Beschimpfung heraus.

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