Annaberg anno 1721 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1721

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Am Neujahrs-Heiligabend fing es an zu schneien bis den Neujahrstag zu Mittag, darauf fing es an zu regnen und machte großes Wasser.

Zu Hochneujahr war so schönes Wetter, daß die Leute vor den Haustüren kehren konnten; nachts aber hat es starken Frost gehabt.

Den 1. März, Sonnabend abends um 7 Uhr, hat sich eine Helligkeit am Himmel sehen lassen, als wenn es ein großes Feuer von ferne wäre. Die Röte ist gestanden bis früh um 4 Uhr und besonders in Richtung Schönfeld. Feuer ist nicht gewesen.

Den 20. März hat der Bürgermeister Dr. Johann Martin Schwab den Ausreiter in die Bierhäuser herumgeschickt, daß sie das Bier wieder um 6 Pfennig geben sollen. Zuvor war ihnen verboten worden, das Bier um 5 Pfennig zu geben, obwohl sie Malz und Hopfen wohlfeil gehabt. Das Verbot ist gewesen 10 Taler, wer es wohlfeiler gibt als 6 Pfennige.

Den 21. März wurde der Amtmann von Wolkenstein gefesselt auf einem Schlitten nach Dresden geführt. Dabei waren sechs Soldaten und ein Korporal, die ihn nach Dresden begleiteten. Sein Verbrechen war, daß er nicht nachweisen konnte, wo die Gelder sind, die im Amt sind eingekommen, wo das Korn das den Armen hat sollen gegeben werden, und welches er anderen Leuten verkauft hat. Er ist lange Zeit auf dem Schloß eingesessen und mit Soldaten bewacht worden. Die Frau hat auch müssen fortgehen, daß man wenig Nachricht hat, wo sie ist.

Den 21. März wurde zu Wolkenstein eine Frau mit dem Schwert gerichtet.

Den 28. April ist die Bürgerschaft auf das Rathaus bestellt worden. Ihre Königliche Majestät hat einen Kommissar abgeordnet, daß der Rat allhier soll Rechenschaft geben über die gemeinen Güter und anderen Einnahmen, auch über die Zapfenkasse. Die Bürger mußten durch Befehl des Kommissars vier Syndici erwählen, also ist dazu erwählt worden:

Meister Michael Haug, Loh- und Sämischgerber
Meister Abraham Jochum Köhler, Posamentierer
Meister Jakob Schmidt, Posamentierer
Meister Christian Preiß, Posamentierer

Den 7. Mai wurde das Mai-Bier allhier getrunken, kam von den Soldaten, lagen hier unter Hauptmann Schlittig.

Den 21. Mai kam der Fürst von Mecklenburg hier an, blieb die Nacht im Posthaus. Am Himmelfahrtstag reiste er weiter nach Karlsbad, hat bei sich neun Kutschen und Bagage-Wagen.

Den 25. Mai, Sonntag Exaudi, fing es an zu schneien den ganzen Tag, über Montag ging der Schnee wieder weg; nach Wiesenthal hat man liegen sehen bis den Donnerstag.

Dieses Jahr haben die Bauern den Sommer über Holz in die Stadt hereinfahren dürfen, dieweil kein anderes Holz ist an der Flöße gewesen, als das Deputat-Holz für den Rat und die Geistlichkeit.

Den 4. August schossen sie den Vogel ab, König wurde Herr Christian Joseph Rubner, damals der jüngste Ratsherr.

Den 19. November starb Herr Stadtrichter Johann Ernst Gensel, wurde den Montag begraben, die Predigt tat der Herr Superintendent.

Den 30. November hielt Herr Magister Dietrich die Antrittspredigt in Mauersberg, ist der erste Pfarrer in dieser Kirche, ist sonst keiner dagewesen, weil die Pfarre hat zu Rückerswalde gehört. Herr Dietrich ist gebürtig aus Annaberg, des Büttners Sohn auf der Steinmauer in der Wolkensteiner Gasse.

Den 6. Dezember brachten sie drei Personen, hiesige Bürgersleute, die am Reischbergel über der Preßnitz erfroren waren, als eines Schuhmachers Witwe, mit Namen die Laumer Liese, und eines Flaschners Sohn und ein Mägdlein. Die Laumer Liese wurde am Sonntag mit einem halben Funus begraben, des Flaschners Sohn und das Mägdlein wurden am Montag beerdigt.

Es galt das Maltz Gerste 24 Taler
Der Hopfen 4 Taler
Das Korn der Scheffel 3 Taler 12 Groschen
Das Strich Hafer 1 Taler 25 Groschen
Die kleine Kanne Bier 6 Pfennig

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