Annaberg anno 1720 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1720

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 25. Januar, an einem Donnerstag, wurde die Bürgerschaft auf das Rathaus bestellt und wurde ihr der neue Bürgermeister vorgestellt, den Ihre Königliche Majestät hat durch Befehl eingesetzt, mit Namen Herr Johann Christoph Wex, war auf dem Wiesaer Hof Pachter, trat gleich für Herrn Dr. Schuhmann, welcher durch Tod abgegangen war, in die Regierung, verwaltet das Amt bis Exaudi 1751.

Den 26. Januar staken drei Weibspersonen im Narrenheisel auf dem Markt. Es war die Tochter des Posament. Israel Drol dabei. Mußten hernach aus der Stadt, weil sie allerhand Leichtfertigkeit begangen hatten. Aber sie sind bald wieder in die Stadt gegangen.

Am 7. Februar haben die Weinberger alle Stege und Brücken eingehauen bis Kühberg und der Weinberger Kirche. Es ist darum geschehen, daß kein Pascher mit Getreide soll herüber kommen.

Den 17. Februar galt
das Ochsenfleisch 18 Pfennig
das Rindfleisch als Kuhfleisch 16 Pfennig
das Kalbfleisch 14 Pfennig
das Schweinefleisch 2 Groschen 6 Pfennig
das gemeine Kühefleisch 13 Pfennig

Um Fastnacht ist so arges Schneewetter gewesen, daß etliche Tage niemand hat können fortkommen, daß an manchen Orten der Schnee ist wohl zu 3 bis 4 Ellen hoch gelegen.

Den 6. März wurde eine Frau zur Staup geschlagen, weil sie bei Herrn Johann Philipp Woreck, als damals Kontributions-Einnehmer, Geld gestohlen, war gebürtig von Zöblitz.

Den 14. März wurde eine Hure mit dem Schinderknecht hinausgetrommelt, war gebürtig von Geyersdorf.

Diesen Fasten-Jahrmarkt fingen sie an und gaben die kleine Kanne Bier um 7 Pfennig.

So galt das Maltz 62 Taler, der Hopfen 4½ Taler, das Korn, der Scheffel 9 Taler, ein Gebräu Treber 9 Taler, eine neue Kanne 1½ Pfennig.

Den 28. März, am Gründonnerstag, schickt Herr Sonnekalb, als Goldschmied, seinen Lehrjungen nach Wolkenstein und ist dabei gewesen Herrn Kerchner, eines Baders, Sohn. Wie sie sind über den Steg bei den Schmelzhütten gegangen, so ist des Kerchners Sohn hineingefallen, aber er ist wieder herausgekommen. Wie sie aber wieder von Wolkenstein zurück gingen, so sind sie wieder auf diesen Steg bei der Schmelzhütte gegangen. Des Goldschmieds Junge geht zuerst hinüber auf dem Stege. Wie er ein Stück gegangen, fällt er in das Wasser und ist ertrunken. Des Kerchners Sohn ist noch hüben gewesen, aber er hat ihm nicht helfen können. Den 21. April, an einem Sonntag, ist er gefunden worden.

Nach den Osterfeiertagen ist dieses Jahr noch in diesen Brauhäusern gebraut worden:

Herr Hausdorfer 1 Gebräu
Herr Graubner 1 Gebräu
Herr Koch 2 Gebräu
Herr Dr. Schwab 2 Gebräu

Den 12. April wurde des Schuhmachermeisters Adam Kraus Tochter mit dem Schinderknecht hinausgetrommelt, weil sie zum andern Mal durch Hurerei ist schwanger geworden.

Den 26. April wurde hinten auf dem Floßgraben auf dem Cunersdorfer Revier ein totes Kind gefunden, der Kopf war ab gewesen und sonst übel zugerichtet.

Den 27. April, an einem Sonnabend, hat das Wetter in Bautzen eingeschlagen und es brannten 104 Häuser ab.

Den 15. Mai bucken wegen großen Mangel an Brot drei Bäcker aus Königswalde und Bärenstein für die Stadt. Jeder hatte einen Wagen mit Brot und hielt auf dem Markt öffentlich feil. Die Bäcker, bzw. ihre Frauen die Brot verkauften, hießen: Anna Justina Frank von Bärenstein, Maria Staupl und Johann Georg ... von Königswalde. Der Scheffel Korn galt 10 Taler.

Den 24. Mai, am Freitag vor Trinitatis, wurde auf dem Rathaus Geld ausgeteilt für Bürger und arme Leute. Kam von Dresden herauf.

Den 26. Mai, als dem Tage der heiligen Dreifaltigkeit, wurde Fleisch im Kuttelhof feilgehalten, weil Sonnabend bei der Stadt ist nicht genug dagewesen.

Den 8. Juni, an einem Sonnabend, haben die hiesigen Fleischer so wenig Fleisch gehabt, daß sie den Fleischpreis sehr hoch setzten. Das Ochsenfleisch haben sie um 20 Pfennig gegeben, das Kühefleisch um 18 Pfennig, das Ziegenfleisch um 16 Pfennig, das Schweinefleisch, das nur einen Querfinger ist fett gewesen, um 3 Groschen. Aber die Bürger haben so viel Klage bei dem Rat eingewandt, daß der Rat hat hernach an die Fleischer außerhalb geschrieben, daß sie sollen herein schlachten. So sind hernach Fleischer aus Königswalde und Buchholz hereingekommen. Das Fleisch haben sie gegeben als:

Ochsenfleisch um 16 Pfennig
Kühefleisch um 14 Pfennig
Schweinefleisch, drei Querfinger fett um 26 Pfennig.

Da sie aber die Fleischsteuer hier noch einmal geben sollten, sind sie nicht mehr als drei Sonnabende gekommen.

Den 12. Juni wurde wieder Geld auf dem Rathaus ausgeteilt für arme Bürger und arme Leute, wie auch weiter ist Geld und Brot ausgeteilt worden zu unterschiedlichen Malen.

Den 1. Juli, am Mittwochnachmittag, wurden dreimal Erdbeben gehört; hernach um 4 Uhr kam ein großes Donnerwetter, stürmte lange, aber es ging bei der Stadt ohne Schaden ab. Aber in Boden, Drebach, Wolkenstein und an vielen Orten hat es großen Schaden getan an Mühlen, an Menschen und Vieh.

Den 3. Juli wurde Brot gebacken für die armen Bürger und wurde auf dem Rathaus verkauft. Was man sonst für 3 Groschen 10 Pfennig hat den ausländischen Bäckern bezahlen müssen, ist für 3 Groschen gegeben worden.

Den 24. Juli wurde eine Ehefrau zu Wolkenstein mit dem Schwert gerichtet. Sie war von Mildenau und hat ihren Ehemann noch. Verurteilt wurde sie, weil sie mit sehr vielen Ehemännern hat Hurerei getrieben.

Den 16. August starb Herr Syndikus Conrad Kölbel, war an einem Freitag, wurde am Sonntag beigesetzt. Das Leichenbegängnis wurde am Dienstag gehalten. Wurde auf dem Gottesacker begraben.

Den 20. August, nachmittag gegen 6 Uhr, wurde ein großes Feuer gesehen. Damals brannte Reichenbach ab, bis auf vier Häuser.

Den 28. August, an einem Montag, ist Herrn Bürgermeister Johann Jakob Scheuerecks Sohn, mit Namen Johann Jakob Scheuereck, zum Syndikus gewählt worden und Mittwoch ist er das erste Mal beim Rat gesessen.

Den 30. August wurde die Ratskämmerei auf dem Rathaus durch das Landgericht von Wolkenstein versiegelt.

Den 7. September wurde das Böhmerland wieder offen, daß man öffentlich hat wieder hingedurft Korn und Mehl zu holen, ist auf zwei Jahre versperrt gewesen.

Den 8. September, am Sonntag unter der Frühpredigt, kam in Jöhstadt am Markt Feuer aus, brannten 10 Häuser ab.

Den 25. September schossen sie den Vogel ab, König wurde Herr Johann August Hennig.

Den 28. September früh brannte in Schönfeld die Mühle ab.

Den 12. Dezember wurde der Bürger und Schneider ... List, wegen Diebstahl hier eingezogen, wie auch seine Frau. Mit den Marstaller Pferden wurden viele Sachen auf das Rathaus geführt: Zinn, Betten, Kleider, zwei Laden mit Wäsche, auch viel Geld, daß sie hernach gefunden haben als er bekannt hat. Die Frau ist nicht lange gesessen, ist wieder heraus gekommen. Er aber hat den Staupenschlag bekommen (1721, den 14. Juni) und ist wegen seines großen Diebstahl nicht gehenkt worden.

Den 19. Dezember, am Donnerstag in der Nacht, erhob sich ein großer Sturm und wütete vier Tage und Nächte, und richtete großen Schaden an Häusern, Zäunen, Bäumen und im Holz in den Wäldern an.

Dieses Jahr galt das Maltz Gerste 32 Taler; Hopfen 6½ Taler; die kleine Kanne Bier 6 Pfennig; Korn 6 Taler; Weizen 7 Taler; das Strich Hafer 1 Taler 8 Groschen.

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