Annaberg anno 1719 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1719

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

[eingehängtes Blatt]


Den 26. Januar, an einem Donnerstag, kamen die Herren Kommissare wegen der Schlägerei der Bürger und Soldaten und sind da verblieben bis zum 31. März. Unter den Kommissaren ist gewesen der Hauptmann von Wolkenstein.

Bürger, die wegen der Schlägerei der Soldaten sind in Arrest gezogen worden, wie folgt:

Andreas Haug
Christoph Haug, Gerber, Vater und Sohn
Christian Ziemler, Posamentierer, ist wieder herausgekommen 2. März
Tobias Küchler, Zimmermann, ist wieder herausgekommen 15. März
Johann Jakob Fuchs, Fleischhauer, der ist bald wieder herausgekommen
Christoph Laux, Bäcker
... Kempf, Posamentierer
... Lötzsch, Gerber, ist bald herausgekommen
Michael ..., Maurer

Ledige Burschen:

Gottlob Höbler und David Küchler, beide Posamentierer, sind gesessen bis zum 24. Februar.

Den 1. Ostertag ist der Stockknecht neben seiner Frau zu Gottes Tisch gegangen. Der Beiknecht ist die Bier- und Branntwein-Häuser visitieren gegangen. So haben die Bürger, die noch gesessen haben, des Knechts Mägdlein nach Branntwein geschickt. Wie es ist zurückgekommen und das Gatter hat aufgeschlossen, da sind die gesessenen Bürger fort aus dem Arrest gegangen, nämlich:



Andreas Haug
Christoph Haug, Vater und Sohn
Christoph Laux
... Kempf

Mittwoch nach Ostern kamen die Freischützen neben dem Landrichter von Wolkenstein und suchten die Bürger, welche waren aus der Fronfeste gegangen, bekamen aber niemand.

Den 23. April, an einem Sonntagnachmittag, kamen die Landgerichte von Wolkenstein wieder mit den Freischützen und fallen unversehens in Andreas Haugens Haus und bekommen ihn. So ist er kreuzweise verschlossen nach Wolkenstein geführt worden. Darauf hat Herr Dr. Richter einen Bericht eingeschickt. Auf den Bericht ist wieder gekommen ein Befehl, daß Andreas Haug aus dem Wolkensteiner Amt ist auf freien Fuß gekommen und diejenigen, die mit ihm sind aus dem Arrest gegangen. So ist er den 3. Mai wieder nach Hause gekommen.

Anno 1721, den 30. Juni, sind diese Bürger wegen der Schlägerei der Soldaten wieder auf das Rathaus gefordert worden, daß wieder Kommissare sind gekommen und ein königlicher Befehl publiziert worden, daß sie den andern Tag, als Dienstag ...

[hier enden die Aufzeichnungen des Blattes].


Den 7. Januar, den Sonnabend nach dem Hohen Neujahr, brannte Grünhain ab. 42 Häuser und 12 Scheunen, wie auch das Rathaus und Brauhaus, ist auskommen bei Herrn Martin.

Den 18. Februar, als dem Sonntag nach der Fastnacht, war so ein großer Sturm in Dresden, daß der Wind hat am Wilschen Tor die Aufzugbrücke aufgehoben und hat sie vor das Tor geschlagen. Man hat die Brücke mit großer Mühe wieder hernieder gebracht.

Den 10. März, an einem Freitag in der Nacht, haben in Herrn Kochs Brauhaus Andreas Meyner, ein Riemer, und Breitfeld, ein Kannegießer, gebraut. Nach dem Abbräuen sind sie aus dem Brauhaus gegangen, aber wie sie früh sind hinein kommen, so ist der Maischbottich verbrannt, ein Reifen entzwei, daß der ... ist ganz dahin gewesen. Man weiß nicht wie dieses Feuer verwahrloset wurde, es hat aber sonst weiter keinen Schaden getan.

Den 29. März kam Prinz Friedrich August wieder in Dresden an, Gott sei Dank, daß er bei guter Gesundheit ist wiedergekommen.

Den ersten Ostertag wurde die Danksagung im ganzen Lande getan und nach der Frühpredigt das Chorus laudamus gesungen.

Den Freitag nach Ostern, den 14. April, wurde des buckeligen Horst sein Sohn zu der Staup geschlagen und ewig des Landes verwiesen, weil er, während er als Knecht bei Johann Weiß, einem Seifensieder, gedient hat, bei ihm Diebstahl begangen hat.

Im Juni nach Johannis wurde der Turm zwischen dem Böhmischen Tor und dem Buchholzer Tor, sonst der Pestilenzturm genannt, von Christoph Seydel, der damals Marktmeister war, eingerissen. Das Holzwerk hat der Rat verkauft, dergleichen sind viele Häuser zuvor eingerissen und auch hernach durch den Rat verkauft worden, manches um 2 Taler zum höchsten um 5 Taler, das Holzwerk ist verbrannt worden.

Den 10. Juli wurde der Vogel abgeschossen. König wurde Meister Christoph Haug jun., Bürger, Loh- und Sämischgerber, aber sie ließen es ihm nicht gelten, dieweil er hatte den Herrn Joseph Rubner vorgeschossen. Darauf wurde der Gesellenvogel aufgesetzt und wurde dabei festgelegt, wer diesen abschießen tät, der solle König sein. Den andern Tag schoß ihn ab der Herr Scheuereck, aber durch Erkenntnis des Rechts wurde es dem vorigen König zuerkannt, als Christoph Haug.

Den 27. Juli, an einem Donnerstag (es war Jahrmarkt), kam Nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr ein schweres Gewitter, schlug vor der Stadt bei Herrn Scheuerecks Vorwerk in das Feld. Wenn man vom Böhmischen Tor nach dem Buchholzer Tor gehen will, kommt man vorbei. Bei der Stadt hat es keinen Schaden getan.

An diesem Anna-Jahrmarkt ist so eine Dürre gewesen, daß sie deswegen auf dem Floßgraben kein Wasser [Holz ?] hereinschlagen konnten.

Den 1. August, an einem Dienstag zu Mittag um ¾ 12 Uhr, schlug das Wetter in das Wiesaer Gericht ein, brannte das Gericht und daneben die Scheune ab.

Den 12. August, an einem Sonnabend in der Nacht zum Sonntag, kam in Schneeberg Feuer aus, bei Herrn Mag. Schindler. Es brannte die ganze Stadt Schneeberg ab, beide Kirchen, Schule, Rathaus, bis auf etliche kleine Häuser.

Den 16. August wurden durch das Landgericht von Wolkenstein der Witfrau des Richters Kahleis alle ihre Sachen aus dem Haus geworfen und ist zugemacht worden; das geschah großer Schulden halber.

Den 2. September, an einem Sonnabend, zog Prinz Friedrich August II. mit seiner Gemahlin, der Tochter des Kaisers Leopolds, in Dresden zum Beilager ein.

Den 5. Oktober, Donnerstag, kamen die Soldaten wieder von Dresden, die vorher sind hier gelegen und mit den Bürgern die Händel gehabt. Die 60 Mann befehligte Hauptmann Schlittig (1723, den 2. Oktober, marschierten sie von hier wieder nach Dresden).

Den 6. Oktober starb Herr Dr. Christian Schuhmann als regierender Bürgermeister. Er wurde am 12. Oktober in die große Kirche begraben. Die Leichenpredigt hat Dr. Andreas Kunad als Superintendent getan.

Diesen Herbst verkauft der Rat allhier die Braupfanne aus seinem Brauhaus, das sonst das Sommersche Brauhaus genannt, einem Kupferschmied hinein nach Böhmen. Es wurde nachher offenbar, daß der Pfannboden aus der Braupfanne des Brauhauses der Borckert-Jungfer ist ausgehauen gewesen und weggekommen. Wo er ist hingekommen und wer es getan hat, das hat man nicht erfahren.

Den 11. November brannte frühmorgens Geiten ab.

Den 15. November, abends zwischen 8 und 9 Uhr, brannte Elterlein ab, 98 Häuser. Das Feuer kam bei dem Herrn Oberförster aus.

Dieses Jahr war so ein heißer Sommer, daß an vielen Orten die Brunnen vertrockneten, die Mahlwasser sind sehr klein gewesen, daß sie weit zum Mahlen haben fahren müssen. Das Vieh hat großen Mangel an der Weide gehabt. Das Obst und Getreide ist auch gar übel geraten.

Der Scheffel Korn hat 14 Tage vor Weihnacht gegolten 8 Taler
Der Weizen hat auch 8 Taler gegolten
Ein Maltz Gerste 48 Taler
Ein Scheffel Hopfen 2 Taler 8 Groschen
Das Strich Hafer 1 Taler 8 Groschen auch wohl 1 Taler 16 Groschen
Ein Bund Kornstroh 8 Pfennige
Ein Bund Haferstroh 10 Pfennige (war aber nicht zu bekommen)
Ein Messel Erbsen 10 Pfennig bis 1 Groschen
Ein Messel Linsen 10 Pfennig bis 1 Groschen
Eine Kanne Butter 8 Groschen

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