Annaberg anno 1716 - Alterzgebirge

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Annaberg anno 1716

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 26. Januar wurde im ganzen Land ein Dankfest gehalten, daß Gott den Sieg hat gegeben, und in Pommern Stralsund ist erobert worden.

Diesen Sonntag wurde Johann Michael Ditterich, ein Büttner, wohnhaft in der Wolkensteiner Gasse auf der Steinmauer, nach der Frühpredigt auf der Kanzel verlesen, daß er mit einer Hure zu tun gehabt, welche den 26. Juni 1715 ist zur Staup geschlagen worden.

Den 1. Februar, den Sonnabend vor Lichtmeß, ging der Landtag in Dresden an, ist Herr Dr. Johann Martin Schwab und Herr Gottfried Hahn vom hiesigen Rat herunter. Den 24. April sind sie wieder voneinander gegangen. Folgendes ist beraten worden:

Extrakt der Landtags-Anträge

Erstens wird angezeigt, daß von 1699 bis 1715 die Rentkammer 1.875.750 Taler, 15 Groschen ½ Pfennig vorgeschossen hat und solches nunmehr wieder zurück verlanget, weil sie es nicht zu tun schuldig, sondern die Generalkriegskasse. Seine Majestät hat befohlen, daß solches dem Land wiedergegeben werden soll. Die Stände sollen diese bewilligen und dazu Mittel und Wege machen. Weiter sollen sie bewilligen zu geben: Jährlich 25.000 Taler zu den alten Kammer-Schulden, 4 Quatember und 4 Pfennige zum Militäretat, 5 Quatember und 1 ½ Pfennig zur Abführung der alten Million und Lotterie, 4 Quatember und 2 Pfennige zur neuen Lotterie. Ferner die gewidmeten 700.000 Taler. 18 Quatember und 17 Pfennige zum Militärbedürfnis, ½ Pfennig die monatliche ...

Weiter eine Summe Geldes zu dem Schloßbau.

Der Antrag ist gegeben den 26. Januar 1716 und an Ihrer Majestät selbst wie auch von den Herren Geheimrat und Generalgr. von Wackerbarth dort unterschrieben und besiegelt.

Unten die Bemerkung: „Ist nichts erfolgt, ist bei alten blieben.“


Den 22. März war das Evangelium: „Jesus speiset 5000 Mann“. Nach der Frühpredigt wurde von der Kanzel verlesen, daß eine jede Stadt, Städtlein, Dorf, seine arme Leute so versorgt, daß keine Bettler herumgehen vor den Türen, sich auch auf den Straßen keiner sehen lasse bei hoher Landesstrafe.

Dieses Jahr haben die Bauern nach Ostern Holz in die Stadt hineinfahren dürfen, dieweil kein Scheitholz ist an der Holzflöß gewesen und ist eine Not um Holz gewesen, daß mancher Bürger von dem andern hat Holz borgen müssen.

Den 3. April ist in Dresden das Zimmer der Königin eingestürzt und ist sehr großer Schaden geschehen.

Den 29. Mai, an einem Freitagnachmittag zwischen 5 und 6 Uhr, war ein großes Gewitter. Schlug bei Herrn Johann Ernst Gensel seinem Vorwerk hinter dem Zeckenthal im Garten ein, wie auch, wenn man vom Wolkensteiner Tor nach dem Böhmischen Tor geht, in einen Turm. Ist Gott sei Dank allhier ohne Schaden abgegangen, aber in Dresden und Freiberg hat es geschloßet, das Getreide niedergeschlagen und an Fenstern großen Schaden getan.

Den 14. Juni marschieret kaiserlich Volk hier vor der Stadt vorbei, früh zwischen 6 und 7 Uhr. Kommen nach Königswalde, Rückerswalde und anderen Orten mehr, lagen bis zum Dienstag, den 16. Juni. Da brachen sie wieder auf und marschierten nach Böhmen. Kamen aus Brabant, haben an vielen Orten übel gehauset.

Den 12. Juli, an einem Sonntag, reiset Herr von Löwenthal hier durch die Stadt auf einer Kutsche mit vier Pferden nach Karlsbad. Das Bergamt ritt ihm voran. Den Donnerstag kam er wieder zurück und blieb die Nacht hier, kehrte bei Herrn von Tettau ein, in der Münze.

Den 23. Juli brannte eine Mühle zu Königswalde ab, auf der Ratsseite. Niemand weiß wie es ist auskommen.

Den 24. Juli, abends zwischen 5 und 6 Uhr, war ein schweres Gewitter; ging bei der Stadt gnädig ab, aber in Königswalde schlug es bei der Rosina Malle ein und zündete, aber es wurde bald wieder gelöscht. In Neudorf beim Kirchvater zündete es auch. Es wurde bald wieder gelöscht, aber die Frau hat es ziemlich verbrannt.

Den 8. August, an einem Sonnabendnachmittag zwischen 3 und 4 Uhr, ist Georg Krauß, als Ratszimmermeister, oben vom Hospital auf den Boden gefallen. Abends um 6 Uhr ist er in Gott verschieden, ihm Gott Gnade. Dienstag ist er mit einem halben Funus begraben worden.

Den 17. August ist der Vogel abgeschossen worden.

Den 8. November, an einem Sonntag, starb des Posamentiermeisters Michael Grabscheit Weib und den Montag darauf starb er auch. Und wurden den Donnerstag mit einem halben Funus miteinander zu Grabe getragen, ihnen Gott Gnade.

Den 22. November hat Meister Adam Seytels Frau, mit Namen Justina, vor der Frühpredigt in der Kirche sich das Abendmahl geben lassen und ist hernach frisch und gesund in die Frühpredigt gegangen. Und wie der Superintendent das Amen in der Predigt spricht, so trifft sie der Schlag und bleibet alsbald tot und ist aus der Kirche getragen worden und den Donnerstag hernach mit einem ganzen Funus zur Erde bestattet worden.

Es war dieses Jahr so ein Mißwuchs, daß das Getreide ist nur wie Kümmel gewesen. Der Hafer ist an vielen Orten grasgrün abgehauen worden, Kraut, Rüben ist alles nicht geraten und auch das Obst ist nicht zu seiner Vollkommenheit gekommen. Wenn man das Korn hat gemahlen, so hat das Mehl gesehen wie Kleie und das Brot hat ganz blau ausgesehen und ganz bitter geschmeckt.

Dieses Jahr hat das Maltz Gerste gegolten 27 Taler
Der neue Hopfen 11 Taler
Der alte Hopfen 8 Taler
Der Scheffel Weizen 5 Taler
Der Scheffel Korn 4 Taler 12 Groschen
Das Strich Hafer 1 Taler
Die Kanne Bier (klein Maß) 6 Pfennig

1658 | 1659 | 1660 | 1661 | 1662 | 1663 | 1664 | 1665 | 1666 | 1667 | 1668 | 1669 | 1670 | 1671 | 1672 | 1673 | 1674 | 1675 | 1676 | 1677 | 1678 | 1679 | 1680 | 1681 | 1682 | 1683 | 1684 | 1685 | 1686 | 1687 | 1688 | 1689 | 1690 | 1691 | 1692 | 1693 | 1694 | 1695 | 1696 | 1697 | 1698 | 1699 | 1700 | 1701 | 1702 | 1703 | 1704 | 1705 | 1706 | 1707 | 1708 | 1709 | 1710 | 1711 | 1712 | 1713 | 1714 | 1715 | 1716 | 1717 | 1718 | 1719 | 1720 | 1721 | 1722 | 1723 | 1724 | 1725 | 1726 | 1727 | 1728 | 1729 | 1730 | 1731 | 1732 | 1733 | 1734 | 1735

 
Suchen
(c) 2016 Gert Süß.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü