Annaberg anno 1714 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1714

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 13. Januar, an einem Sonnabend, kamen die kaiserlichen Völker um die Stadt auf den Dörfern an, als Wiesa, Dörfel, Hermannsdorf, Sehma und anderen Dörfern mehr. Sind übel mit den Leuten umgegangen, diese mußten viel zu Essen und Trinken verschaffen. Der Marsch ist durch ganz Sachsen gegangen, sind aus Brabant gekommen und nach Böhmen gezogen.

Den 16. Januar, an einem Dienstag, erhob sich ein großer Sturm und stand bis Sonnabend; hat an Bäumen und Zäunen großen Schaden getan, wie auch in den Wäldern. Hernach ist wieder so schönes Wetter darauf geworden, als wenn es um Pfingsten wäre; aber die Nacht gab es starken Frost und es lag kein Schnee. Bereits vor Weihnachten fing es an zu tauen und ist keine Schlittenbahn gewesen.

Den 21. Februar, an einem Mittwoch, ist Herr Christoph Böhm, als Viertelsmeister, und Herr Christian Joseph Rubner, als ein Bürger, im Kleinen Viertel herumgegangen. Sie sind im Hause gewesen, haben die Leute aufgeschrieben und gefragt, welchen Vorrat sie an Getreide und an Küchenspeisen haben.

Den 13. März wurde zu Crottendorf eine Kindesmörderin mit dem Schwert gerichtet. Ihr Name war Werina ..., gebürtig von Wiesenthal, eines Fleischers Tochter.

Am selbigen Tag ist nasses Wetter mit schneien gewesen und hier ist unser Fasten-Jahrmarkt gewesen.

Den 12. April, an einem Donnerstag, haben die jungen Bürger und ledigen Burschen wieder losen müssen. Es hat wieder 14 Mann betroffen und nur sieben Mann sind wieder losgekommen.

An Exaudi ist Herr Dr. Johann Martin Schwab das erste Mal zum regierenden Bürgermeister gewählt worden.

Den 16. Mai, Mittwoch vor Pfingsten, ist abends Haussuchung getan worden durch das Bergamt auf dem Pochwerk bei der Blaufarbmühle, welches Herrn Suppigen, als Gastwirt des „Weißen Roß“ in der Stadt, gehört. Sie haben viel Sachen gefunden, die von Pobershau und Wolfsberg bei Marienberg aus den Sterbehäusern sind hierher geschafft worden. Darauf ist es gleich mit Freischützen besetzt worden. Die Bergbeamten, die da haben Haussuchung getan, sind auch gleich vorn bei der Schmelzhütten auf dem Huthaus in Arrest genommen und bewacht worden. Die Bergbeamten sind gewesen:

Herr Seidel, als Bergschreiber
Herr Hans Georg Schmidt, als Berggeschworener
Benjamin Päßler, Ältester
Benjamin Schieffner, Amtsbote
und der Stadtknecht.

Den Freitag nach Pfingsten, als den 25. Mai, sind sie wieder aus dem Arrest gekommen, mußten baden und bekamen neue Kleider.

Den 22. Mai, als den dritten Pfingsttag, abends um 7 Uhr, wollte sich Christoph Andreas Tröger, ein Posamentierer, im Pferdeteich vor dem Böhmischen Tor ersäufen weil er war irre geworden, wurde aber von etlichen Bürgern gerettet.

Christoph Kuntzmann, ein Schuhmacher, ist mit seiner Frau am 1. Mai vergangenen Jahres gerichtlich in Haft gesetzt worden, weil Herrn Mag. Johann Gottlob Adam, des Hospitalpredigers (geistesgestörtes oder boshaftes) Kind beide der Hexerei beschuldigte.

Den 24. Mai, Donnerstag nach Pfingsten, früh um 5 Uhr, hat sich Christoph Kuntzmann die Kehle mit dem Leistenmesser abgeschnitten. Der Rat hat den selbigen Schuhmacher sein Werkzeug zugelassen womit er gearbeitet hat. Wie er hat den Schnitt getan, so hat er des Beiknecht Frau auch beschädigt, wie auch sonst noch eine Weibsperson; auch Georg Halligs Frau, welche mit ihrem Mann wegen Hexerei sitzen mußte, zwei Hiebe in den Arm gegeben. Hernach hat er das Klopfholz, wie es die Schuhmacher brauchen, etliche Mal vor den Kopf geschlagen, hernach erst ist er gefallen und tot geblieben. Wenn er nicht wär an ein Bein geschlossen gewesen, wer weiß, was er hätte weiter pexiert.

Zwischen 10 und 11 Uhr ist Herr Stadtrichter Christian Schreiber und Herr Johann Friedrich Müller mit dem Handwerk der Schlosser hinaus zum Galgen gegangen und haben ein neues Schloß an die Galgentür anschlagen lassen. Abends zwischen 10 und 11 Uhr hat ihn der Schinderknecht auf dem Schlitten in einem Kasten aus weißen Brettern zusammengemacht und mit einem Bund Stroh zugedeckt, hinaus geführet und hinein in den Galgen gesetzt bis auf weitere Anordnung.

Wie der Schinderknecht ist in die Große Kirchgasse mit ihm gekommen, hat das Pferd nicht ziehen wollen; hat noch eins angespannt, aber keins von der Stelle bringen können. Hernach hat er das dritte geholt, das ist ein Fuchs gewesen, der hat zuerst auch nicht ziehen wollen, erst als er hat angefangen zu schelten und zu fluchen ist es fortgegangen.

Den 25. Juni, den Montag nach Johanne, wurde Nachmittag das Pochwerk angezündet und ist mit allen Betten und Kleidern, die sie geholt haben, weggebrannt.

Am Tage Peter und Paul, an einem Freitag, war zu Naumburg Markt. Zu Mittag um 2 Uhr wollte ein Pulvermacher das Pulver probieren, dabei springt Feuer in das andere Pulverfaß und gehet eins nach dem anderen an. Man sagt, es seien auf die 500 Häuser in die Asche gelegt und etliche 40 Personen getötet worden; etliche wurden ganz gefunden, aber auch etliche stückweis.

Den 13. Juli, an einem Freitagnachmittag, war schweres Donnerwetter und es schlug das Wetter zu Radeberg, zwei Meilen hinter Dresden, ein und brannte das ganze Städtel ab, bis auf drei Häuser.

Den 20. August schossen sie den Vogel ab, König wurde Herr Wilhelm Stock, ein Advokat.

Den 24. August, an einem Freitag, zog die Bürgerschaft in die Wälder um nach Räubern zu suchen, fanden aber nichts.

Den 2. November kam ein Leutnant, mit Namen Schesser, mit 80 Mann in Quartier, erst den 14. April 1715 marschierten sie wieder fort. Der Marsch ging nach Salza. Zu Montag und Mittwoch marschierten auch die Dragoner wieder fort, auch nach Salza zu.

Den 6. Dezember setzten sie das neue Narrenhäusel auf dem Markt wieder auf.

Im Monat Dezember wurde wieder Getreide aus Böhmen hier eingeführt und aufgeschüttet.

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