Annaberg anno 1713 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1713

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 7. Februar, an einem Dienstag, reiste Herr Dr. Schwab nach Dresden zum Konvent-Tag, er kam wieder am 6. Mai.

In diesem Frühjahr blattern die Kinder in und außer der Stadt sehr, aber es sind wenige daran gestorben.


Den 1. Mai wurde Christoph Kuntzmann und seine Frau wegen allerhand Hexerei halben eingezogen. Etliche Kinder und auch große Leute, welche verschiedene Beschwerungen an sich gehabt, haben auf sie bekannt. Die Frau wurde den 11. Juni [1714] auf freien Fuß gestellt, der Mann hat sich zuvor die Kehle durchgeschnitten.

Den 6. Mai mußte die junge Mannschaft wieder losen, betraf wieder 16 Mann:

Meister Johann Michael Tauerschmidt, Weißbäcker
Johann Gottfried Nebelthau, Posamentiergeselle
Salomon Amm, Posamentiergeselle
Christoph Haug, Gerbergeselle
Johann Egidius Jobin, Kannengießergeselle
...

Den 6. Mai, abends zwischen 8 und 9 Uhr, kam Feuer aus im „Wilden Mann“ bei Herrn Busch, als Gasthofwirt, in seinem Laboratorium. Es wurde aber bald wieder gelöscht, ohne Schaden zu tun.

Den 16. Mai, an einem Freitag, wurde Susanna Köhren, eines Fleischers Frau, wegen Hexerei eingezogen, weil viele Leute, die solche beschwerliche Krankheit gehabt haben, auf sie bekannten. Sie ist 1714, den 13. April, in der Fronfeste gestorben, als an einem Freitag, und ist den Montag, abends zwischen 8 und 9 Uhr, durch die Nachtwächter hinaus auf den Gottesacker getragen und begraben worden.

Den 9. Juni wurde Anna Maria Schwartzin eingezogen wegen Hexerei halben, an etlichen Kindern und andern Leuten vorgenommen. Sie wurde den 11. Juni 1714 wieder aus der Fronfeste auf freien Fuß herausgelassen, ist hernach im Hospital gestorben und den 12. Dezember auf dem Gottesacker begraben worden, ohne Klang und Gesang.

Den 9. Juli, am Sonntag, war das Evangelium: „Seid barmherzig“. Von der Kanzel wurde ein Befehl abgelesen, wer zum Gottesdienst will gehen, soll sich erst bei seinem Beichtvater im Hause anmelden.

Den 11. Juli wurde Georg Hallig, ein Hutmacher, mit seiner Frau wegen allerhand Hexerei halben eingezogen, weil Kinder und große Leute mit allerhand Beschwerden auf sie bekannt haben. Er wurde am 11. Juni 1714 neben seiner Frau und Tochter wieder auf freien Fuß gestellt.

Den 30. Juli wurde im ganzen Land ein großes Dankfest gefeiert, wegen allerhand Siege in Pommern, weil sich die allda befindliche schwedische Armee, unter des General Grafen von Steinbrucks Kommando, an die hohen nordischen Alliierten ergeben.

Ende des Monat Juli galt das Korn der Scheffel 8 Taler 12 Groschen, aber den 12. August ist es wieder mit 5 Taler bezahlt worden.

Den 15. August wurde das Vogelschießen gehalten und wurde Herr Johann Wilhelm Stock zum dritten Mal König.

Den 15. August brach Major Thallmann mit seinem angeworbenen Volk auf nach Polen.

Weil die Pest in Österreich, Mähren, Böhmen, Schlesien und allerorten sehr überhand nimmt und in Prag und Wien absonderlich sehr grassierte, so sind von hoher Landesobrigkeit die Grenzwachen wieder angeordnet worden.

Den 23. August kamen 60 Mann, aber es blieben nicht mehr allhier liegen als 20 Mann. Die andern mußten zur Grenzwache und lösten sich alle drei Tage wieder ab. Der Hauptmann, mit Namen Hermann, ist nicht von Adel, lag in Quartier bei Frau Susanna Maria Graubitz am Böhmischen Tor. Den 14. September marschierten sie wieder nach Freiberg.

Den 30. August, an einem Mittwoch, wurde unter den armen Bürgern, wie auch unter anderen armen Leuten, Geld ausgeteilt, welches aus Dresden geschickt wurde. Auch sonsten an vielen Orten im Lande wurde ausgeteilt.

Den 12. September wurden 16 Mann von den hier gelosten Leuten hinaus nach Bärenstein kommandiert an den Paß, wegen der Pest in Böhmen. Alle acht Tage wurden sie abgelöst.

Den 13. September kommen 60 Mann Dragoner hier an. Mancher hatte ein Pferd, mancher auch keins. War Ansbachisch Volk, welches lange in Brabant gestanden, lagen hier bis 21. September. Wer ein Pferd hatte, ging nach Polen, die anderen gingen nach Leipzig. Da haben sie die fällige Montur bekommen.

Den 24. September kamen wieder 60 Mann Dragoner. Es war Volk des Herrn von Ansbach, der König hat es gekauft. Lag hier bis zum 19. Dezember, marschierte dann nach Marienberg zu.

Den 11. Oktober wurde das Böhmerland ganz versperrt, daß kein Mann und Getreide oder Küchenspeisen herüber hat gedurft. Auch nicht die Basberger Bäcker mit ihren Zöpfel durften herüber. Auch von unseren Leuten durfte niemand hinüber gehen. Das Verbot ist so scharf gewesen bei Leib- und Lebensstrafe, wo ferner sich einer blicken läßt, der über die Grenze hinüber oder herüber geht.

Den 12. Oktober, an einem Dienstag, ist in Gott verschieden Herr Bürgermeister Johann Matthäus Merckel und den 15. Oktober ist er zur Erden bestattet worden. Die Leichenpredigt ist im Hospital geschehen.

Den 19. Oktober ist die Grenze wieder mit Dragoner besetzt worden.

Den 6. November ist der Herr von Löwenthal wieder hier gewesen und der Bürgerschaft ist viel Geld ausgeteilt worden.

Den 7. November sind die gelosten Völker von der kaiserlichen Grenze wieder abmarschiert und die Leute, die an der Grenze gewohnt haben, durften wieder mit allen Sachen heraus handeln. Der Scheffel Korn hat gegolten 6 Taler.

Den 16. November sind hier vier Wagen Getreide angekommen. Auf den oberen Boden des Rathauses ist das Getreide aufgeschüttet worden, daß es den Bürgern soll wieder verkauft werden. Dazu ist verordnet worden Herr ... Klajus und Herr August Schindler. Der Abmesser war Johann Christoph Hoffmann, ein Posamentierer.

Den 25. November, an einem Sonnabend, sind die Basberger [Sebastiansberg] Zöpfelbäcker wieder heraus passiert worden.

Am 5. Dezember, vor dem Nikolausabend, sind die ersten Reischdorfer wieder mit Zugemüse gekommen. Nicht lange darauf hat der Scheffel Korn 4 Taler gegolten; der Weizen der Scheffel 5 Taler; der Hafer das Siebmaß zu 16-20 Groschen; ein Maltz Gerste 27 Taler; die kleine Kanne Bier 6 Pfennige.

Den 29. November, an einem Montagnachmittag, ist Salomon Ohnesorg aus seinem Haus gegangen, hat den Schafpelz angezogen und den blauen Mantel umgenommen und ist hinaus in den Sauwald gegangen und hat sich mit einer Pistol durch den Kopf geschossen. Ist auf dem Mühlamt gelegen. Den Donnerstag ist es offenbar worden durch den Herrn Knopf, der ist ihm begegnet. Wie er ist am klein Weg von ihm gewesen, hörte er einen Schuß. Er denkt, er hat nach sonstwas geschossen und geht seinen Weg fort nach Haus. Die Mittwoch kommt er zum Herrn Schreiber, so wird davon geredet, daß Ohnesorg fehlt. Herr Knopf hat darauf gesagt, wo er ihm begegnet sei. Den Donnerstag früh gehen sie hinaus, wo er den Schuß gehört hat. Sie finden ihn mit der Pistole in der Hand, womit er sich erschossen hat. Die andere Pistole hat er noch an der Seite stecken gehabt. Er ist durch das Gericht aufgehoben worden und wurde auf dem Gottesacker begraben, wenn man von der Kirche aus auf den neuen Gottesacker gehet im Winkel auf der linken Hand.

Im Dezember, an einem Dienstag, abends zwischen 6 und 7 Uhr, ist Herr Moßdorf aus dem Arrest gegangen. Ist Schulden halber in seines Herrn Schwiegervaters Haus in Arrest gesessen, als in Herrn Stadtrichter Joseph Kahleis Haus in der Großen Kirchgasse. Ist mit Freischützen bewacht worden, als Herrn Christoph Haug, Stadtwachtmeister, und Johann Christoph Hillarius, ein Bäcker.

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