Annaberg anno 1712 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1712

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 17. Januar kam ein Hauptmann aus Brabant hier ins Quartier mit etlichen 60 Mann, lag bis den 30. April, zog an einem Sonnabend nach Freiberg.

Den 8. Februar machte sich unser Ratsherr, Bürgermeister Johann Jacob Scheuereck, auf nach Dresden zu einem Konvent-Tag.

Den 18. März stand ein Mann von der Kühnheide am Pranger am Rathaus, wurde hernach um 2 Uhr verwiesen.

Am Ostersonnabend fiel ein großer Schnee, an manchen Orten wohl eine halbe Elle, an anderen Orten wohl noch tiefer.

Den andern Ostertag nach 11 Uhr marschieret eine Kompanie Kürassiere mit braunen Pferden, kaiserliches Volk, durch die Stadt. Kamen allenthalben auf die Dörfer um die Stadt ins Quartier auf eine Nacht, machten den Leuten auf dem Land großen Verdruß, mußten Essen und Trinken und Futter für die Pferde geben. Man sagt, daß der Marsch dieses Volk 22 Regimenter umfaßte.

Den 2. April, an einem Sonnabend, kam wieder kaiserliches Volk an. Es kam auf die Dörfer, die vom ersten Marsch nichts abbekamen.

Den 17. April, an einem Sonntag frühmorgen, kam Feuer aus, in Geyer auf dem Lotterhof. Es brannte das Brauhaus sowie zwei Scheunen und ein Stall ab.

Den 19. April, an einem Dienstag, wurde wieder gelost unter den Bürgern und jungen Burschen. Viele sind losgekommen aus dem ersten und anderen Los.

Die neuen:

Hans Georg Amm, Posamentierer, verheiratet
Christian Amm, Posamentierer, ledig
Johann Gottfried Richter
Johann Martin Körnig, Drechslergesell
Martin Krüger, Kannengießer, verheiratet
Andreas Kögler, Fleischer, verheiratet
Johann Martin Nagel
Friedrich Sonntag, Bäcker, verheiratet
Johann Michael Enderlein
Christoph Köhler, Fleischer, verheiratet
Severin Hein, Posamentiergesell
David Schneider
Theodor Schmidt
Johann Gottfried Hein
Johann Michael Otto, Tuchscherergesell
Johann Benjamin Sonntag, Bäckerknecht
David Richter, Perückenmacher
Samuel Richter, Posamentiergesell
Johann Christoph Freindt, Posamentiergesell
Christoph Andreas Höbler, Schuhmacher, ledig
... List, Schneider, verheiratet.

Vom vorigen blieben übrig:

Gottfried Biltz
Johann Christoph Schmidt

Den 11. Mai, an einem Mittwoch in der Nacht, ist ihre königliche Majestät und Kurfürst zu Sachsen in Schlettau angekommen, aber den Donnerstag gleich wieder aufgewesen und nach Karlsbad gereiset.

Den 17. Mai, als den andern Pfingsttag, kam wieder kaiserliche Reiterei durch unsere Stadt geritten; 103 Pferde, darunter waren Spannpferde für die Kutsche wie auch viel Reitpferde, sechs Maultiere und Kutschen mit Weibspersonen. Außerhalb der Stadt sind auch zwei Kompanien Reiterei vorbei gezogen, darunter auch viel ledige Pferde und viel Wagen mit Bagage und Kranken.

Den 20. Juni, an einem Montag, wurde Herrn Bürgermeister Johann Matthäus Merckel die Apotheke visitiert.

Den 21. Juni brannten in Frankenberg 270 Häuser ab. Das Feuer ist zu Mittag um 11 Uhr in der Schönfarb ausgekommen, ist durch Speck verwahrloset worden.

Den 7. Juli sang der neue Hospital-Schulmeister die Probe in der Hospitalkirche, mit Namen ... gebürtig von ... Der Organist war mit einem Klavichord auf der Empore wie auch mit Geigen. Sein erster Gesang war dieser: „Dies sind die heiligen zehn Gebote ...“. Darnach figurierten sie ein Stück mit Geigen und Klavichord. Nach der Predigt: „Es wollt uns Gott gnädig sein ...“. Bei diesem Probesingen ist gewesen: Dr. Andreas Kunad, Superintendent, Herr Bürgermeister Johann Jacob Scheuereck, Dr. Johann Martin Schwab, Herr Konrad Kölbel, Syndikus, Herr Christian Schreiber, Stadtrichter.

Den 18. Juli wurde Herr Gottfried Hahn zum ersten Mal zum Stadtrichter erwählt. Herr Bürgermeister Johann Jacob Scheuereck bleibt regierender Bürgermeister. Es sollte sonst Herr Bürgermeister Johann Matthäus Merckel werden, Streit halber blieb die Wahl, es ist auch die Bürgerschaft nicht zur Wahl gefordert worden.

Den 25. Juli, an einem Montag, war ein schweres Gewitter und schlug vor der Stadt in Herrn Schwab sein Gartenhaus ein. Es zündete aber nicht, auch fiel ein sehr starker Regen.

Den 30. Juli, Ausgang des Jahrmarktes, brannte die Rote Mühle zu Geyersdorf ab, abends um 7 Uhr.

Den 31. Juli, Sonntagnachmittag, sind soviel Mücken über den Schreckenberg nach Buchholz zu gezogen, Klumpen wie Klöppelsäcke groß. An vielen Orten sind sie gezogen so groß wie Kuchendeckel.

Den 1. August, Montag in der Nacht zwischen 11 und 12 Uhr, war ein sehr schweres Gewitter. In Königswalde schlug es in Michel Schnedelbachs Gut ein, brannte ab. Im Dorf und bei der Stadt tat es weiter keinen Schaden.

Den 13. August, gegen Abend zwischen 5 und 6 Uhr, entstand ein schreckliches Gewitter mit Schloßen, deren Größe teils unbeschreiblich war. Dieses Wetter hat an Häusern, Kirche und Schule großen Schaden getan. In Königswalde wie auch hier um die Stadt hat es das Getreide auf dem Felde erbärmlich zerschlagen und weil es noch nicht völlig reif war, haben die Leute großen Schaden erlitten.

Den 23. August schossen sie den Vogel ab, König wurde Herr Johann Friedrich von Berneck, ein Ratsverwandter und Kramer. Der Gesellenvogel aber wurde nicht abgeschossen, weil es zu sehr regnete.

Den 26. September zogen die Bürger wie auch die Freischützen und die Vaterländer naus auf den Wald, den Wald zu visitieren, fanden aber nichts.

Den 24. Oktober, an einem Montag, abends zwischen 6 und 7 Uhr, brannte das Städtel Glauchau ab.

Den 25. Oktober, zwischen 11 und 12 Uhr, kam der Moskauer Zar hier an, kehret bei Herrn Johann Christoph Schwab am Markt ein, hielt Mittagmahlzeit hier; zwischen 2 und 3 Uhr marschieret er wieder fort nach Karlsbad, hat etliche Kutschen und Wagen bei sich.

Bei der Tafel mußten 12 Jungfern aufwarten, es sind gewesen mit Namen:

Elisabeth Hesselbachin, eines Soldaten Tochter
Anna Katharina Richterin, eines Gerbers Tochter
Rosina Mauersberger, eines Tagelöhners Tochter
Johanna Körnig, eines Tischlers Tochter
Maria Elisabeth Ammin, eines Posamentiers Tochter
... Auerswald, eines Tagelöhners Tochter
Eufra Schmidtin, ...

Den 10. November, an einem Donnerstag, reiste der Zar aus Karlsbad wieder ab. Er nahm einen anderen Weg, aber viele Kutschen zogen hier wieder durch.

Den 19. November, an einem Sonnabend früh um 10 Uhr, brachen unsere gelosten Leute auf, und den 1. Dezember, an einem Donnerstag Nachmittag um 2 Uhr, kommen sie wieder zurück. Sind nicht weiter gekommen bis auf Pirna, dort erhielten sie wieder Order, daß sie wieder nach Hause marschierten.

Den 28. November, an einem Montag gegen Abend, ertrank in der kurfürstlichen Mühle ein Kind mit Namen Hanns Heinrich. Der Vater hat geheißen Israel Heim, war damals Müller.

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