Annaberg anno 1710 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1710

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 15. Januar, an einem Mittwoch, wurde Herr Johann Carl Schindler, als Bergmeister allhier, durch den Landrichter von Wolkenstein und Freischützen in Arrest gezogen, wegen vieler Schulden halben. Saß in des Zehntners Haus in Arrest und wurde mit den Freischützen bewacht. Den 1. April, am Dienstag, wurde er durch den Landrichter mit Freischützen nach Wolkenstein in das Amt geführt.

Den 3. März, als den Montag vor Fastnacht, schenkt Christian Laux, ein Bäcker auf der Großen Kirchgasse, Bier. Abends zwischen 8 und 9 Uhr fallen Soldaten mit bloßen Degen hinein mit Gewalt. Es sind fünf Bürger da zu Bier, die wollen sie mit Gewalt hinwegnehmen, vier entspringen und einen, mit Namen Lange, den haben sie bekommen und mitgenommen und ihm gewaltsam alles vom Hals gerissen. Er aber hat geschrien. So sind viele Bürger zusammengekommen und in des Hauptmanns Quartier eingefallen und der hat den Bürger wieder hergeben müssen. Der Hauptmann aber hat von den Bürgern schlechte Titel bekommen.

Den 13. März sind die neu geworbenen Soldaten wie auch die alten aufgebrochen und sind nach Chemnitz zu marschiert. Der Hauptmann, Fähnrich und Sergeant sind dageblieben, wie auch etliche alte Soldaten.

Den 3. April ersäufet sich zu Kleinrückerswalde eine Frau, Die Horn Anna, ist hernach beim Kürschner an der Rainung der Königswalder begraben wurden durch den Schinderknecht.

Den 10. Mai bekam eine Frau den Staupenbesen wegen Diebstahl bei Herrn Postmeister Gottfried Hahn. Die Frau ist von Greiz bei Gera hergewesen.

Den 1. Juni, an einem Sonntag abends nach 9 Uhr, kam der junge Moskauer Zar hier an mit etlichen Karretten, kehrte beim Postmeister, Herrn Gottfried Hahn, ein. Montag früh nach 8 Uhr fuhr er wieder fort nach Karlsbad.

Am Tage Exaudi wurden zwei Ratsherren gewählt, mit Namen Johann Ernst Gensel, ein Annaberger, und Johann Friedrich von Berneck, ein Jöhstädter.

Im Monat Juli wurden die Förster zweimal beortert, daß sie sollten alle gart [?] halten, daß sie sollen zusammenkommen, die Oberförster, gemeinen Förster und Wildheger.

Im Monat Juli waren schwere Gewitter, eines schlug am 9. Juli in der Klostergasse in Wittfrau Polmers Haus ein, nahe nach Andreas Schwander zu, aber ohne sonderlichen Schaden. Etliche Tage hernach, am 18. Juli, einem Freitag Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr, schlug es in der Hospitalkirche ein und hat großen Schaden getan. Das Dach wurde entzwei geschlagen, zwischen dem Predigtstuhl und der Sakristei hat es zwei Fenster hineingeschlagen, dann hat es einen kleinen Stein in der Mauer und den in der Tür am Predigtstuhl gestanden, getroffen, hat aber nicht gezündet. In Schlettau hat dieses Gewitter bei Michael Zahn eingeschlagen, aber auch nicht gezündet.

Den 13. Juli saßen die Viertelsmeister das erste Mal in den Ratsstühlen, als Michael Richter, Christoph Haug, Georg Werner, Christoph Böhm, Augustin Schwander, Johann Heinrich Kühn.

Den 10. Juli kam ein Hauptmann mit Reiter hier an und nach und nach sind immer mehr nach gekommen. Den 31. Juli wurden sie aufgeteilt an die böhmische Grenze.

Den 17. August, an einem Sonntag, schnitt sich eine Witfrau von 79 Jahren zu Königswalde mit einem Schermesser die Kehle ab. Ihr Mann ist ein Wagner gewesen. Sonnabend den 23. August ist sie auf dem Gottesacker begraben worden.

Den 17. August hielt Herrn Mag. Siegmund Zimmermanns Sohn die Probepredigt, mit Namen Sigismund Zimmermann, daß er ihn annehme zu einem Stellvertreter. Den 28. September tat er in der Bergkapelle die Antrittspredigt.

Den 27. August wurde der Vogel abgeschossen, wurde ein Fremder König, mit Namen Herr N. N. Notzdorf.

Den 15. Oktober, am Mittwoch abends nach 7 Uhr, brannte Scheibenberg ab. 53 Häuser, ohne die Scheunen zu zählen; kam bei einem Fleischer aus, mit Namen Georg Friedrich Meisel.

Den 22. Oktober mußten viele Bürger aus der Stadt in den Wald über Königswalde nach dem Zollhaus zu nach Bärenstein und sollten die Straßenräuber suchen, fanden aber nichts.

Im Monat Oktober kam Reiterei an die Grenze hierherum, hatten weiße Montur, schwarze Westen, schwarze Hosen und schwarze Strümpfe an und mußten in die Dorfschaften hinaus und die Wege verhauen und haben scharfe Wache gehalten. Im Oktober und November wurden allenthalben im Lande die Mannschaft zusammengezogen und gemustert von 20 bis 40 Jahren.

Den 22. November, an einem Sonnabend, kam ein Leutnant hier an auf brabantische Werbung.

Den 1. Dezember kamen 50 Stück Flinten hier an zu der Musterung der jungen Mannschaft.

Den 10. Dezember, als 14 Tage vor Weihnachten, war so schöner warmer Sonnenschein, da hat ein Bauersmann von Frohnau auf den Schlettner Berg nach Frohnau zu, auf dem Feld dürre Schmielen abgemäht, welche im Herbst sind stehengeblieben.

Den 15. Dezember, an einem Montag, wurde hier angefangen die junge Mannschaft zu exerzieren.

Den 17. Dezember, an einem Mittwoch früh um 8 Uhr, zogen auf die 250 Mann und 36 Freischützen hier hinaus nach Kühberg und dem „Weißen Hirsch“ zu und durchsuchten den Wald, hernach den Ratswald. An diesem Tag waren alle Städte und Dörfer aufgeboten, wie auch die Böhmen, diese kamen auch bis an unsere Grenze. Von den Räubern aber kamen unsere Bürger wieder und brachten nichts.

Diese Weihnacht ist so schönes warmes Wetter gewesen, daß die Leute barfuß gehen konnten, wie auch schon Tage vorher. Zwei Tage vor Neujahr hat es aber angefangen zu schneien.

Den 29. Dezember, an einem Montag Nachmittag, kriegten die Werber die hier lagen, brave Schläge von vier Tuchscherergesellen und Bürgern. Es kam daher, daß sie einen Tuchscherergesellen hatten weggenommen und in die Fronfeste setzen lassen. Wie sie ihn aus der Fronfeste wollen fortführen, reißt er aus. Die andern vier Tuchscherergesellen warteten darauf. Wie die Werber wollen nachlaufen, schlagen sie auf diese tüchtig ein. Der Ausgerissene wendet sich um und hilft auch brav zuschlagen. Es kommen auch viele Bürger dazu und helfen sie tüchtig durchzuprügeln. Der Arrestant ist davongekommen.

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