Annaberg anno 1709 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1709

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Im neuen Jahr hat die Kälte gestanden bis März. In den Wäldern ist viel Wild umgefallen und erfroren.

Im Februar treffen sie auf dem Inseltschacht, der sonst ein Zinnbergwerk war, reich Silbererz an, lag auf dem Berg, wo man nach Schlettau geht. Auch St. Barbara wurde wieder fündig mit Silber, an vielen unterschiedlichen Orten nahmen die Bergleute wieder Zechen auf.

Den 19. April wurde das erste Mal in der Schmelzhütte, die von den Brüdern Johann Hermann und Johann Philipp Woreck wieder hergerichtet wurde, 6 Mark Silber geschmolzen.

Den 22. April, am Montag als die Leipziger Messe begann, ist früh um 5 Uhr in Bautzen eine schreckliche Feuersbrunst erntstanden; ist in des Rates Malzhaus aufgegangen, sind ... Häuser in Asche gelegt worden.

Den 16. Mai, an einem Donnerstag vor Pfingsten, fing es an zu schneien, machte einen ziemlichen Schnee, daß das Vieh in drei Tagen nicht zur Weide gegangen, ist liegen geblieben bis zum Pfingsttag. Kam auch großer Frost, so daß dieses Jahr keine Kirschen, Pflaumen, Äpfel und Birnen hier in unserm Gebirge wurden. Das Getreide ist allenthalben wohl geraten.

Den 20. Mai, als den zweiten Pfingsttag Nachmittag, wurde im Abthaus des Klosters, im Keller in einer Schachtel ein totes Kind gefunden. Die Beine waren ganz entzwei gewesen, daß es ist in die Schachtel gegangen. Es ist auf das Rathaus getragen worden. Am Mittwoch nach Pfingsten hat man es aufgebahrt, daß man es hat sehen können, ist hernach abends auf dem Gottesacker begraben worden. Wer es hat umgebracht, das hat man nicht gewußt.

Den 3. Juli, an einem Mittwoch vormittag 8 Uhr, ist das Feuer angegangen in Oederan, ist das ganze Städtel abgebrannt. Kirche, Schule, Rathaus, auch 150 Häuser und auch drei Personen sind mit verbrannt; ist bei einem Schmied ausgekommen.

Den 8. Juli, an einem Montag, war das Vogelschießen, Herr Bürgermeister Johann Jakob Scheuereck wurde König.

Im Mai und Juli wurden im großen Pferdeteich zwei Zapfenhäuslein gebauet, daß man konnte das Wasser auf die Große Kirchgasse laufen lassen, im andern konnte man das Wasser nach der Sommerleite einschlagen.

Den 10. Juli wurde der Pflasterer fertig mit dem Graben durch das Jacob Fietleß Gässel, daß man von der Großen Kirchgasse das Wasser, das aus dem Teich hereinkommt, hinum nach der Kleinen Kirchgasse kann laufen lassen.

Den 16. Juli, an einem Dienstag, wurden sie mit dem Silberschmelzen fertig auf dem Inseltschacht, welche Zeche an der Schlettauer Straße liegt. Wollten eine große Menge Silber machen, verbreiteten das Gerücht, als sollten 200-250 Mark gemacht werden, es wurden hernach 17 Mark fertig.

Den 23. Juli, an einem Dienstag früh zwischen 2 und 3 Uhr, kam Feuer aus bei Christoph Haug, Loh- und Sämischgerber und Stadtwachtmeister, hart an den Fleischbänken; wurde aber durch Gottes Hilfe gleichbald wieder gelöscht.

Den 4. August brachen die Dragoner auf, die hier auf den Dörfern lagen, wie auch im ganzen Land.

Den 8. August, an einem Donnerstag, brach der König aus Dresden auf und ging nach Polen.

Den 10. August, an einem Sonnabend nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr, kam zu Schwarzenberg im Rathausturm Feuer aus, brannte das ganze Städtel ab bis auf das Schloß, die alte Kirche, auch die neue Kirche ist stehen geblieben, der Turm aber von der neuen Kirche ist abgebrannt, die Glocken sind auch geschmolzen. Vor dem oberen und unteren Tor sind auch etliche Häuser abgebrannt. Die Verwahrlosung des Feuers ist unbekannt.

Den 1. September, am Sonntag, wurde im gemeinen Gebet Fürbitte getan für unseren König, der wieder König in Polen wurde.

Den 30. September wurde ein königlicher Befehl publiziert, daß die Freischützen in Bereitschaft sollten sein, ebenso sollten die Bergleute parat sein und die Bürger im Umgang mit Gewehren sich befleißigen.

Den 6. Oktober, an einem Sonntag, mußten die Bergleute, die in das hiesige Bergamt gehören, alle herein und wurden aufgeschrieben wie alt sie seien und wie sie mit Namen hießen. Sonntag darauf mußten die Bergleute losen, so betrafs über 180.

Am 10. Oktober wurde die Bürgerschaft auf das Rathaus gefordert und wurde ein königlicher Befehl publiziert, daß, wer 20 bis 40 Jahre alt ist, Mann oder ledig Bursch, sollten losen. Aber damals ist das Losen nicht fortgegangen.

Den 11. Oktober wurden zwei Kompanien Bürger vor dem Böhmischen Tor auf dem Zimmerplatz exerziert. Den 16. Oktober wurden die andern zwei Kompanien auf dem Zimmerplatz exerziert.

Den 2. Dezember, an einem Montag, ritt Herrn Bürgermeister Scheuereck sein ältester Sohn, ein Advokat, nach Wolkenstein. Wie er nach Wiesenbad kommt an die Brücke, kann er nicht darüber reiten. Weil sie sehr kaputt und ohne Schalhölzer ist gewesen, gibt er seinen beiden jungen Pferden Zeichen, daß sie sollen durchs Wasser reiten. Wie er in das Wasser kommt, so nimmt das Wasser den Pferden die Gewalt und der junge Herr stürzt herunter und muß ertrinken. Weil es etliche Tage zuvor unaufhörlich geregnet hat und sich überall die Wasser ergossen, hat es großen Schaden getan. Er war gebürtig von Schönbrunn, ist am Sonntag zu Wiesa begraben worden.

Den 11. Dezember wurden die Hausleute aufgeschrieben, ging Herr Christoph Haug und der Stadtknecht um.

Den 29. Dezember, dem Sonntag vor Neujahr, kam ein Hauptmann mit acht Mann aus Brabant hierher auf die Werbung von [sächsisch] Volk.

Korngeld 3 Taler - Weizen 3 Taler 12 Groschen - Hafer, der beste 15 Groschen - Gerste und Malz 21 Taler - Hopfen, der Scheffel 4 Taler. Die Kanne Bier, altes Maß, 9 Pfennige.

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