Annaberg anno 1708 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1708

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Es ist im Januar kein Schnee gewesen, die Leute haben können barfuß gehen, so warm ist es gewesen. Die Bauern haben im Feld geackert und gesäet, aber es ist starker Wind gewesen. Den 21. Januar, abends zwischen 6 und 8 Uhr, hat sich das Wetter stark abgekühlet, hat auch gedonnert.

Im Frühjahr hatten die Kinder wie auch große Leute die Blattern und Masern.

Den 22. Januar hielt der neue Superintendent, Herr Andreas Kunad, die Antrittspredigt, war das Evangelium vom Hauptmann zu Kapernaum.

Den 23. Januar ging der Landtag in Dresden, die Herren sind den 12. April wieder zurück gekommen.

Den 6. Februar, an einem Dienstag, wurde Holz geflößt auf der oberen Holzflöß. Den andern Tag fing es an zu schneien, daß sie aufhören mußten zu flößen und es wurde kalt und ging starker Wind.

Den 11. Februar, als an einem Sonnabend, zogen drei Freischützen nach Dresden, weil ihre Königliche Majestät und Kurfürstliche Durchlaucht den Montag darauf ein Lustschießen halten wollte. Es wurde im ganzen Land an die Freischützen der Befehl ergangen. Die hiesigen sind gewesen: Christoph Haug als Stadtwachtmeister, Christoph Levin, ein Fleischer, Michael Ziemler, ein Posamentierer. Sind aber nicht weiter als Freiberg, weil das Schießen nicht fortgegangen, sind sie wieder umgekehrt.

Den 21. Februar, am Fastnachtdienstag, kamen die Herren Kommissare hier an, daß die Leute sind aufgeschrieben worden von 12 Jahren alles Mannsvolk, es sei so alt als es wolle. Die Herren Kommissare haben geheißen General Böhlau und Generalleutnant Wostromersky. Es sind auch viel Städtlein und Dorfschaften herein kommen, daß sie sind aufgeschrieben worden. Den 27. Februar sind sie von hier nach Wolkenstein.

Dieses Frühjahr mußte die Stadt fünf Defesionäre schaffen, begaben sich ledige Burschen dazu.

Den 24. April, an einem Dienstag, hat sich einer in Königswalde mit Namen Hans Pollmer, erhängt und ist in seinem Haus gelegen bis zum andern Dienstag, da er früh um 3 Uhr durch den Schinderknecht und Scharfrichter mit einem Schlitten hinaus geschleift und begraben wurde in ihrem Gemeinholz, wenn man nach dem Berghaisel gehen will.

Den 19. Mai schlug das Wetter im Tannenberger Hof vor dem oberen Tor in die Scheunenmauer und erschlug zwei Zugochsen.

Den 26. Mai, als den Pfingstsonnabend, in der Nacht zwischen 1 und 2 Uhr, schlug das Wetter in Zwönitz bei dem Richter, Herrn Reppel, ein, brannten 75 Häuser ab, auch etliche Scheunen.

Den 23. Juni kam ein neuer Rektor hier an, kam aus Leipzig, mit Namen Mag. Christian Friedrich Wylisch, ein Junggeselle.

Den 29. Juni, an einem Freitag Nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr, kam Ihre Königliche Majestät und Kurfürstliche Durchlaucht zu Sachsen, als Friedrich August [August der Starke], hier an. Kam aus Crottendorf zum Böhmischen Tor rein. Kehrte bei Herrn Christoph Rubner ein im Eckhaus an der Buchholzer Gasse. Den Sonnabend um 1 Uhr besah er die große Kirche, hernach ritt er auf den Pöhlberg. Von da ist er zum Schießhaus geritten und hat etliche Schüsse nach der Scheibe getan, hernach haben die Freischützen schießen müssen. Danach ist er wieder in die Stadt geritten. Den Sonntag zwischen 12 und 1 Uhr ist er wieder aufgebrochen nach dem Wiesenbad zu und hinter Wolkenstein weg nach Marienberg. Da ist er die Nacht geblieben. Wie er von da ist nach Olbernhau gekommen, hat er die Saigerhütte besucht und hat sich da wiegen lassen, so hat er gewogen 173 Pfund Kramgewicht [80,9 kg].

Den 12. Juli, an einem Donnerstag, haben die Bürger von ihrem König vier Faß Bier bekommen, ist auf dem Rathaus ausgetrunken worden.

Den 28. Juli, am Jahrmarkt-Sonnabend abends zwischen 6 und 7 Uhr, kam ein schweres Gewitter, ging bei der Stadt ohne Schaden ab. Es ging aber ein Mann mit seinem Weib vor der Stadt, wollten nach Mildenau gehen. Als sie auf die Geyersdorfer kamen, wird die Frau tödlich vom Blitz getroffen, ist am Mittwoch in Mildenau begraben worden.

Den 6. August, an einem Montag, schießen sie den Vogel ab, wurde König Christoph Haug, Bürger, Loh- und Sämischgerber zum andern Mal, den Gesellenvogel hat abgeschossen Johann Michael Anger, der Sohn des Bürger, Loh- und Sämischgerber Abraham Anger.

Den 18. August, an einem Sonnabend Nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr, schlug das Wetter in Schlettau ein, gegenüber dem Rathaus bei einem Hufschmied. Es brannte das ganze Städtlein aus, bis auf das Schloß und Herrenhaus und ein kleines Häuslein, alles weg. Die Vorstädte vor dem oberen Tor, die Kirche, Schule, Rathaus, Brauhaus, alles brannte weg.

Den 21. August wurde Wache allhier und aller Orten angestellt wegen der Pest, die in Polen und Österreich grassieren soll.

In diesem Sommer wurde die Schmelzhütte im Grund wieder zugerichtet und der Erzkauf wieder aufgerichtet. Die Erzkäufer waren Herr Johann Hermann Woreck und Herr Christoph Conrad, beide in Annaberg, und Herr Hecker in Stollberg.

Den 26. August, an einem Sonntag in der Nacht, war ein schweres Gewitter und schlug in Tannenberg ein, brannte ein Gut weg, wie auch in Walthersdorf in einer Mühle und ein Bauerngut.

Den 12. September, Mittwoch abend zwischen 9 und 10 Uhr, wurde ein Wunderzeichen am Himmel gesehen an vielen Orten. Erst hat sich der Himmel aufgetan und wie auf einer Kugel ist eine große Feuerflamme am Himmel in die Höhe gefahren wie eine Schlange, hernach ist es worden wie eine Sichel und ist vergangen.

Den 14. September war im ganzen Land ein Buß-, Bet- und Fastentag angestellt. Von 8-10 Uhr war auch eine Sonnenfinsternis.

Den 28. September, an einem Freitag als Michaelis, Mittag zwischen 11 und 12 Uhr wurde ein Bergbursche mit Namen Christian Süß, gebürtig von Bärenstein, verwiesen, weil er allerhand Sachen gestohlen hat.

Dieses Jahr war der Sommeranfang sehr naß und kalt, hernach wurde es sehr warm und es sind schwere Gewitter gewesen die allenthalben großen Schaden getan. Es ist aber ein fruchtbares Jahr gewesen, das Getreide ist wohlgeraten. Es ist der Hafer an manchen Orten drei Ellen lang gewesen. Es ist auch ein warmer Herbst gewesen, daß nach Michaeli die Rosen noch häufig in Gärten geblüht haben. Das Korn hat gegolten 4 Taler 12 Groschen, Malzgerste als 17 Strich für 24 Taler. Der Hopfen der Scheffel 8 Taler, der Aussiger Hopfen 14 Taler.

Vor und nach Weihnachten ist so große Kälte gewesen, daß es weit in die Keller hat starkes Eis gefroren. Auch in fremden Landen ist weit und breit solche große Kälte gewesen.

Die Nacht vom 26. zum 27. Oktober waren etliche Soldaten als Unteroffiziere in der Manel zum Bier. Aber früh zwischen 4 und 5 Uhr wurde ein Edelmann als Sergeant mit Namen Stüber und ein Korporal namens Rosch uneins. Warf der Sergeant den Korporal zu Boden. Die andern sind das nicht gewahr worden, weil sie nach der Trommel getanzt haben. Wie sie das gewahr werden und nachsehen, so ist er tot. Der Sergeant ward hernach in Arrest gezogen und eingeschlossen. Des Morgens ist der Korporal geöffnet worden; so haben sie an der Lunge Blasen gefunden, so haben sie vermeinet, er hatte ihm das Halstuch zugezogen, daß er hat müssen ersticken. Den Freitag früh ist der Sergeant Stüber und Korporal Haug und der Trommelschläger geschlossen nach Freiberg geführt worden, und am Freitag Nachmittag ist der Tote nach Krieges-Zeremonie begraben worden.

Den 30. Oktober, am Sonnabend, brannten zu Frankenberg wieder Häuser ab.

Den 31. Oktober wurde das Jubelfest der Reformation gehalten und wurde drei Tage heilig gefeiert mit Beten und singen.

Den 15. November, an einem Montag, wurde ein königlicher Befehl publizieret, daß der königliche Prinz wäre vor fünf Jahren zur katholischen Religion getreten. Auch ist ein Befehl publiziert worden, wenn einer wollte in das brandenburgische Land sich wenden, soll er angenommen werden, wie auch wenn einer sich wollte in unser Land wenden, soll er auch auf- und angenommen werden.

Den 24. November, am Mittwoch nach der Betstunde, wurde ein Kind getauft. Wie die Gevatter in den Opferstock beim Kruzifix wollen einlegen, so wird’s der Kirchner gewahr, daß der Stock ist erbrochen worden.

Den zweiten Christtag, den 26. Dezember, fing es des Nachts an zu regnen. Der Schnee schmolz und alle Wasser haben sich so ergossen, daß man es nicht beschreiben kann. Man hat hernach erfahren, wie in Hamburg die See ist ausgetreten, in der Stadt alle Gewölbe ersäufet, wie auch in anderen Seeländern ganze Städte und Dörfer überschwemmet hat, an Menschen und Vieh ersäufet hat, daß man nicht weiß, wie viel tot sind, daß man den Schaden nicht mit Millionen schätzen kann.

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