Annaberg anno 1707 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1707

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den Neujahrstag wurde der Frieden verkündet zwischen unserem König und Kurfürsten und dem König von Schweden, Gott sei Dank.

Den 23. Januar, an einem Sonntag zu Mittag halbwegs 11 Uhr, ist Feuer auskommen bei Frau Jahnin in der Großen Kirchgasse, der Schule gegenüber. Haben Karpfen gesotten, dabei ist die Feueresse brennend geworden, aber mit großer Mühe ist das Feuer gelöscht worden.

Den 24. Januar ist die Gemahlin des ungarischen Rebellenführers Rakoczi aus Böhmen kommend hier angekommen und ist von Montag bis Freitag geblieben, dann nach Leipzig zu weitergereist.

Den 4. Februar, an einem Freitag, ist ein Jude hier zu einem Christen getaufet worden, ist unter dem Schwedischen Volk gewesen. Erst ist vom schwedischen Feldprediger eine deutsche Predigt geschehen, hernach ist er getauft worden.

Den 11. März, an einem Freitag abends 7 Uhr, kam Feuer aus bei Herrn Christoph Rubner, dem Steuereinnehmer am Markt, wurde aber bald wieder gelöscht.

Den 15. März sind in Zschopau 55 Häuser und 6 Scheunen weggebrannt.

Den 15. März, an einem Dienstag in der Nacht, ist auch Feuer in der Großen Kirchgasse gewesen, bei Herrn Friedrich Hilbert im Pferdestall, auch bei Kartenmacher Johann Heinrich Wolffgang brannte es, aber es ist alles bald wieder gelöscht worden.

Den 20. März kam Feuer aus beim Büttner Christian Kreisig in der Klostergasse, ist alsbald wieder gelöscht worden.

Den 22. Mai: In dieser Woche haben die Schwedischen Völker auf den Dörfern außerhalb der Stadt viel Zwieback gebacken.

Den 26. Mai, an einem Donnerstag früh gegen 8 Uhr, kam Feuer aus bei Herrn Philipp Woreck, wurde aber bald gelöscht.

Den 29. Mai hat es geschneit, der Schnee hat am Pöhlberg, Bärenstein und im Wiesenthal gelegen.

Den 14. Juli, am Dienstag nach Pfingsten, starb der Superintendent Dr. Hieronymus Dathe, wurde drauf den Donnerstag beigesetzt in der großen Kirche. Sein Begräbnis ist, wo die Priester bei der Sakristei im stillen sitzen, wo er ist aus seiner Stelle geschieden. Das Leichenbegängnis ist gehalten worden, den ... (war allhier 4 Jahre 28 Wochen weniger 2 Tage).

Den 11. August wurden 16 Mann Schwedische abgedankt, wurden auf drei Tage bis nach Stettin geführet.

(Es haben die Soldaten alle Tage 2 Pfund Ochsenfleisch bekommen, 2 Kannen Bier, 1 Brot. Die Bauern haben Hafer, Heu, Stroh, Hächsel heranschaffen müssen, auch außerhalb Annabergs mußten sie in den Dörfern und Städtchen Fleisch, Brot, Bier, Salz, erbsen und Mehl beschaffen.)

Den 23. August, an einem Dienstag, ist das Regiment schwedisches Volk hier wieder aufgebrochen, sind allhier 41 Wochen gelegen. Der Aufbruch ist früh um 7 Uhr angegangen mit den Wagen und dem Vieh. Das Volk in Marsch zu setzen hat gewähret bis 11 Uhr. Da ist erstlich der General aufgesessen. Der Wagen sind gewesen 127, ihre eigenen Wagen und Bauernwagen, die außerhalb der Stadt haben müssen einspannen. Das Vieh, das zu dem Regiment hat müssen geliefert werden, außerhalb der Stadt, den Dörfern und bei der Stadt ist gewesen 460 Stück. Das haben sie auf vier Parten mit weggetrieben. Den Major haben sie den Freitag vor dem Marsch in Arrest genommen und als einen Arrestanten mitgenommen. Das erste Nachtlager ist in Marienberg gewesen und nach Olbernhau zu. Die Stadt hat müssen 263 Quatember geben, weil sie da gelegen sind. Weiter hat ihnen der Bürger nichts geben dürfen als das Bett. Damals als sie kamen ist regierender Bürgermeister gewesen Herr Johann Merckel. Wie sie sind weggezogen, ist Dr. Christian Schumann regierender Bürgermeister gewesen. Sind ohne Trommelschlag eingezogen, auch wieder so abmarschiert.

Als die Schweden sind hier angekommen, hat der Scheffel Korn 2 Taler 4 Groschen gegolten. Wie sie sind wegmarschieret galt er 3 Taler 12 Groschen; die Kanne Bier 8 Pfennige.
Die erste Hure, die durch die Schweden ist schwanger geworden, ist eines Schneiders Tochter am Mangelberg mit Namen Barbara, ihr Vater heißt Friedrich Alberts. Wie sie darauf den 27. August, einem Sonnabend, ist darnieder kommen, hat es ein Feldscher getan unter den Schweden.

Den 2. September, an einem Freitag, ist der General-Accis wieder angegangen. (Den 11. November ist der gedoppelte Accis angangen.)

Im September wurde gebraut, die Kanne Bier, es galt das Dresdner Maß, wurde für 7 Pfennige geschänkt; aber es wurde bald mit dem Büttel ausgerufen, daß die Kanne Bier 6 Pfennige galt.

Diesen Herbst wurde in Dresden-Neustadt das Rathaus abgetragen, soll auf 900 Jahre gestanden haben.

Den 17. Oktober brannten in Jöhstadt 23 Häuser ab, darunter war das Rathaus und Brauhaus, ist bei einem Bäcker auskommen gegen Abend 4 Uhr.

Den 24. Oktober, an einem Sonnabend, wurden zwei Bürgermeister in Arrest genommen. Wurden durch Freischützen von Wolkenstein bewacht, saßen in ihren Häusern, Bürgermeister Johann Jacob Scheuereck und Bürgermeister Johann Matthäus Merckel. (Dr. Schwabe ist in Dresden gewesen, ist allda in Arrest genommen worden; aber er ist bald des Arrests erlöst worden und nach Hause gekommen. Die zwei Bürgermeister sind allda drei Wochen in Arrest gewesen.)

Den 20. November hielt der neue Superintendent die Probepredigt, Dr. Andreas Kunad, kam von Zerbst hierher.

Den 26. Dezember, abends gleich nachdem der Türmer hat zu 7 Uhr ausgeläutet, ging ein Feuer auf im Haus der Frau Dathe, brannten drei Häuser ab, als Frau Bürgermeisterin Christian Genslin, sonsten die Sachs Davidin genannt, und Hans Georg Müller, ein Büttner. Es wurde große Rettung getan, daß es bei diesen Häusern ist geblieben. Man weiß nicht, wie dieses Feuer ist verwahrloset worden. Es ist darinnen zu Hause gewesen der Mag. Georg Müller als Konrektor.

Dieses Jahr ist der Vogel nicht abgeschossen worden, wegen der Schweden, die allhier gelegen.

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