Annaberg anno 1706 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1706

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 26. Februar, an einem Freitag, sind neue Biermaße hier eingesetzt worden, nach dem Dresdner Maß, und wird die Kanne Bier für 6 Pfennige gegeben.

Den 12. Mai ist eine schreckliche Sonnenfinsternis gewesen von 10 bis 12 Uhr. Es ist die Sonne ganz verfinstert gewesen auf eine halbe Viertelstunde, daß man die Sterne am Himmel hat sehen können, auch hat man Licht angezündet, daß man in Ställen hat sehen können. Es ist eine große Hitze darauf erfolgt und ein warmer Herbst. Das Getreide und auch das Obst ist alles wohl geraten. An Michael hat das Korn 2 Taler 4 Groschen, der Hafer 12 bis 15 Groschen, die Gerste das Strich 1 Taler gekostet.

Den 1. August sind die zwei Teiche vor dem Böhmischen Tor zum Fischen abgezogen worden; es ist große Hitze und Wassermangel gewesen, so haben die Freischützen nach Bärenstein hinaus auf den Flößgraben gemußt und haben Wache halten müssen, daß die Müller das Wasser nicht haben abschlagen sollen, weil die Teiche sollen vollaufen, aber durch mangelndes Wasser sind sie doch nicht eher voll geworden bis im Frühjahr, als das Schneewasser ist gekommen.

Den 19. August, an einem Donnerstag, sind die Freischützen aufgeboten und alle Tore besetzt worden, weil man wieder Rekruten schaffen sollte, sechs Mann. Bis Dienstag ist die Wache unter allen Toren gewesen, danach ist sie mit Gewalt weggenommen und die Mannschaft nach Freiberg abgeführt worden, aber es ist niemand dagewesen, der sie abgenommen und so ist sie wieder zurückgeführt und freigelassen worden.

Den 21. August hat eine Frau zu Schlettau drei Kinder zur Welt geboren, haben auch die heilige Taufe erhalten.

Den 23. August, an einem Montag, ist allhier ein neuer Ausreiter angenommen worden, als Johann Röhlig, ein Tuchmacher und Herrn Bürgermeister Gottfried Röhlig Sohn. Der vorige ist fortgegangen, hat eine geschwängert, aber zuvor mit Christian Köhlers Tochter ein Verlöbnis gehabt.

Den 29. August ist allhier Meister Johann Georg Amm, ein Posamentierer, öffentlich aufgeboten worden, das dritte Mal, und ist auch zum Abendmahl gewesen. Wie er aus der Kirche kommt, wird es offenbar, daß die Braut viel schuldig ist. Und so ist die Braut den selbigen Tag fortgegangen und nicht wieder gekommen, auch ist keine Trauung geschehen. Den 20. Mai 1707, an einem Sonnabend zu Mittag, ist Soffina Arnoltin wieder hierher gekommen, hat ein Kind mitgebracht von fünf Wochen.

Den 1. September, einem Mittwoch, ist ein Viertel der Bürgerschaft gemustert worden, hernach Donnerstag, Freitag und Montag jeden Tag ein Viertel der Stadt, wie auch die Bergleute, so allhier in das Bergamt gehört haben.

Den 6. September, an einem Montag, ist hierher die Post gekommen, daß der König aus Schweden über die Oder gegangen und ins Sachsenland einrückte, von Tag zu Tag näher nach Dresden. Den 16. September ist er zu Meißen über die Brücke gegangen und darauf den Sonnabend nach Leipzig gekommen. Darauf wurde der Konventtag ausgeschrieben, der zur Messe anging.

Den 9. September, Donnerstag, ist hier Moskowiter Volk angekommen, hat aber Freitag gleich wieder fortgemußt. Der Rat hat ihnen Wagen geben müssen und - daß die Bagage hat fahren können, haben sie von den Fuhrleuten 9 Pferde und 2 Wagen behalten.

Den 11. November, an einem Donnerstag, kam Feuer aus bei Christian Enders, Hufschmied am Wolkensteiner Tor, wurde aber bald wieder gelöscht.

Den 12. November, an einem Freitag, sind hier etliche 30 Schweden zu Pferd angekommen und sind in die Gasthöfe einquartiert worden. Haben Quartier gemacht, denn am Dienstag, den 16. November um 1 Uhr, sind 5 Kompanien oder 700 Mann angerückt, haben 160 Wagen bei sich gehabt.

General Sparr sein Quartier ist gewesen bei Herrn Christoph Rubner, dem Steuereinnehmer, der Oberstleutnant bei Coith, der Major bei Gensel, der Kommissar bei Johann Philipp Woreck. Das Provianthaus ist auf dem Rathaus gewesen, da ist ausgegeben worden Fleisch, Brot, Salz, Erbsen, Hafer, Heu-Häckerling, bei Herrn Bürgermeister Graumers Haus ist das Bier ausgegeben worden. Die Hauptwache ist in der Garküche gewesen, das Stockhaus bei der Frau Gerlachen in der Wolkensteiner Gasse, nicht weit von der Garküche, das Lazarett-Haus ist in der Kleinen Kirchgasse bei der alten Kantern, als Freybergerin, gewesen. Es hat ein Soldat alle Tage zwei Pfund Rindfleisch, zwei Kannen Bier, ein Brot bekommen, auch Salz und Erbsen. Die Soldaten haben auch alle Tage zweimal Betstunden gehalten, eine Vormittag, die andere Nachmittag, sind mit aufgepflanztem Seitengewehr auf die Kirchenparade gezogen, erst in die große Kirche, hernach in die Bergkapelle.

Den 27. November sind zwei Kompanien wieder wegmarschieret, außerhalb auf die Dörfer und Städtlein.

Den 4. Dezember, an einem Sonnabend, ist ein Schwedischer Soldat hier an der städtischen Richtstätte gehenkt worden und ist hängen geblieben und nicht wieder abgenommen worden. (Den 22. September 1707, früh zwischen 7 und 8 Uhr, ist er abgefallen, ist so ein großer Wind gewesen, daß er über den Galgen heraus gefallen ist, er hing am Galgen 41 Wochen, 5 Tage weniger 3 Stunden.)

Am 11. Dezember, an einem Sonnabend, ist oben beim Rohrhaus zwischen Johann Gottfried Franck, als Gärtner, und Johann Felix Müller ein Schwedischer Soldat gefunden worden, der ist schrecklich zugehauen gewesen; er ist beim Posamentierer Samuel Fischer in Quartier gelegen. Durch seine Offiziere ist er aufgehoben und in sein Quartier getragen worden, aber um 9 Uhr ist er in Gott verschieden. Am Sonntag ist es offenbar geworden, daß es sein Kamerad, der beim Posamentierer Michael Amm in Quartier gelegen, getan hat. Der ist den 29. Januar 1707 hinter dem Rabenstein am Weg mit dem Schwert gerichtet worden.

Den 11. Dezember ist der General-Accis wieder angegangen, ist nicht lang gestanden.

Den 22. Dezember ist der König aus Polen in Dresden angekommen, aber nur eine Nacht da verblieben, ist gleich wieder fort nach Leipzig, um mit dem Schwedischen König zusammenzukommen.

Am Christtag stellt der Superintendent Dr. Hieronymus Dathe die Mittagspredigt um halbwegs 1 Uhr an.

Den Neujahrs-Heiligabend haben die Schwedischen Völker den regierenden Bürgermeister Johann Matthäus Merckel in Arrest genommen. Den Neujahrstag früh ist er des Arrests wieder entledigt worden.

Dieses Jahr ist das Vogelschießen nicht gehalten worden, dieweil die Schweden sind hier gelegen, die Hütte ist schon aufgebaut gewesen, ist aber wieder eingerissen worden.

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