Annaberg anno 1702 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1702

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 14. Januar, an einem Sonnabend, sind zwei Kompanien neugeworbenes Volk hier angekommen, sind aber nicht komplett gewesen und so war starke Werbung gewesen, daß man es nicht für möglich hielt. Es ist keine ledige Person sicher auf der Straße gewesen. Acht Tage vor Fastnacht ist die Werbung wieder aufgehoben worden und wurde nur der genommen, der aus gutem Willen hat gewollt.

Den 23. März, an einem Donnerstag zu Mittag um 11 Uhr, ist Thum abgebrannt, ist bei einem Schuhmacher auskommen und sind 23 Häuser und die Kirche abgebrannt.

Den 6. April, an einem Donnerstag Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr, ist beim Bäcker Andreas Laux in der Wolkensteiner Gasse Feuer auskommen, ist bald wieder gelöscht worden.

Am dritten Ostertage hat hier in Annaberg ein Soldat mit Namen Assmann, gebürtig in Wolkenstein, in Quartier gelegen. Sollte getraut werden mit der Schillern Tochter. Wie die Leute sind kommen, ist er im Wirtshaus gesessen beim Schmied hinter der Wolkensteiner Gasse, mit Namen Albinus Michel, und hat getrunken. So haben ihn die Leute wollen holen, daß er mit der Braut soll in die Kirche gehen und sich trauen lassen. So hat er zu Antwort gegeben: Es schickt sich heute nicht, er wäre trunken, und ist zum Wolkensteiner Tor hinaus gegangen, immer nach Wolkenstein zu, aber darauf haben sie ihn geholet und ist den Tag nach Ostern getrauet worden.

Den 30. April war das Evangelium von dem guten Hirten, hat Herr Dr. Georg Heinrich Götze die Abschiedspredigt getan. Dienstag, den 2. Mai ist er nach Lübeck gezogen.

An einem Dienstag ist die Post gekommen, daß Herr Stadtrichter Joseph Kahleis am 8. Mai in Leipzig gestorben ist. Er ist vom Frankfurter Markt nach Leipzig gereist und unterwegs in ein Wasser gefallen, das ist sein Tod gewesen.

Den 20. Mai, an einem Sonnabend, sind zwei Huren mit dem Schinderknecht hinausgetrommelt worden.

Am selben Tage, Nachmittag, ging Hans Ziemlers Sohn, mit Namen Hans Adam, zum Adam Wildner nach Frohnau. Der hatte einen Dragoner in Quartier. Dessen Pistolen hingen an der Wand und waren geladen. Der Junge nimmt eine von der Wand, schießet ein Mägdlein namens Eva Rosina in die rechte Seite, daß der Schuß zur linken Seite wieder herausgehet und alsbald tot blieb. Der Junge ist fortgelaufen.

In diesem Jahr hat man 24 Groschen Quatember geben müssen und alle Vierteljahr herbeizubringen, ist der Bürgerschaft auferlegt worden, das hat man einen Zuschuß genannt. Es haben auch die ledigen Leute, als Geselle, Dienstmagd, Knecht geben müssen.

14 Tage vor Johannis haben müssen die Defensionierer aufbrechen. Wie sie sind nach Freiberg gekommen, sind andere Offiziere da gewesen und so sind sie zu Soldaten gemacht worden, haben gedruckte Zettel bekommen, zu dienen ein Jahr, hernach sollen sie wieder loskommen und sollen aller Steuer und Abgaben befreit sein, sollen freie Bürger sein. Sind aber gleich nach Polen marschieret.

Den 20. Juni, einem Dienstag, ist die Bürgerschaft auf dem Rathaus gewesen, ist ihnen vorgetragen worden, 14 Mann Rekruten zu schaffen. Hat ein Bürger 12 Groschen, ein Hausgenosse 12 Groschen, eine Witfrau 12 Groschen, ein Handwerksbursche und was er sonst ist gewesen, auch 12 Groschen geben müssen, dafür sind 14 Mann geworben worden.

Den 20. Juni ist Christoph [Michael ?] Amm wieder in die Fronfeste gesetzt worden, weil er in die Stadt kommen, ehe seine zwei Jahre sind umgewesen, ist aber bald wieder heraus gekommen und auf freien Fuß gestellt worden.

Den 11. Juli ist der oberste Wachtmeister unter dem vorigen Stab, der allhier gelegen, wieder zurückgekommen ins Quartier, daß er soll die Rekruten abholen, die das Land hat werben müssen. Aus den Ämtern, Städten, Städtlein sind sie hierher gekommen und hernach fortgeführt worden.

Den 1. August, an einem Dienstag, ist der Wirt aus dem Zeckenthal, mit Namen Gerlach, gebürtig in Marienberg, durch die Gerichte vor dem Wolkensteiner Tor verhaftet worden, neben vier Reischdorfern, mit Namen Christian Schlosser, Andreas Iser, Christian Iser, Samuel Hahn, auch fünf Weibspersonen, darunter ist eine gewesen, die vor etlichen Wochen in Schwarzenberg den Staupenschlag bekommen hat, diese ist den 2. September verwiesen worden. Die andern Weibspersonen, wie auch zwei Mannspersonen sind herausgekommen und am 12. Februar 1703 sind Christian Iser und Christian Schlosser auf der Streckbank angezogen worden, auch wurde ihnen die Daumenschraube angelegt, aber sie haben nichts bekannt. Sie sollen Diebstahl begangen haben.

Den 22. August, an einem Dienstag früh halbweg 4 Uhr, ist ein greller Blitz über der Stadt vom Himmel gefallen und darauf hat es einen starken Donnerschlag getan, doch ist der Himmel klar und hell gewesen. Es haben viele Bergleute gesehen, die um diese Zeit sind angefahren.

Am 22. August ist das Vogelschießen angegangen. 2 ½ Tage wurde danach geschossen, doch der Vogel ist von so festem Holz gewesen, daß sie mit Rohren haben danach schießen müsse. König wurde Christoph Haug, Loh- und Sämischgerber.

Den 22. September ist in Wiesenthal Vater und Tochter mit dem Schwert gerichtet worden. Der Vater hat die Tochter geschwängert; hat mit Namen geheißen Christoph Preiß, ein Fleischhauer, die Tochter Elisabeth. Das Kind haben die Wiesenthaler bekommen, sollen es erziehen bis es 12 Jahre alt ist. Des Vaters Alter ist gewesen 69 Jahr.

Den 1. Oktober ist Herr Bürgermeister Christian Gensel gestorben und den 15. Oktober beigesetzt und das Leichenbegängnis gehalten worden. Die Leichenpredigt wurde in der großen Kirche gehalten.

Den 8. Oktober war das Evangelium vom Wassersüchtigen, der neue Superintendent hat die Probepredigt getan, ist von Kemberg hierher gekommen, mit Namen Dr. Hieronymus Dathe. Den 30. November, an einem Donnerstag, ist er hier angekommen und hat den Sonntag darauf die Antrittspredigt getan.

Den 21. November, an einem Dienstag, kam der neue Rektor von Leipzig hier an, mit Namen Mag. Johann Gideon Gellig, war ein Dresdner Kind.

(Den 27. September, an einem Mittwoch, kriegt ein Bergmann von Freiberg, mit Namen Christian Paulus, hier in Annaberg den Staupenschlag. Ist dieses die Ursache, daß er im Lande geblieben. Ehe er erstmals in Freiberg den Staupenschlag bekommen, hat er Kobalt gestohlen, hernach in Chemnitz und nun allhier, daß er im Land ist geblieben.)

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