Annaberg anno 1690 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1690

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Es war diese Zeit nach Weihnachten ein so großer Schnee, daß in der Großen Kirchgasse oben bei der Seilerin der Bottich und der Wasserteiler ganz verschneit war. Der Schnee hat bis zum Wasser des Teilers hoch gelegen, und so hoch hat er in der ganzen Gassen gelegen. Erst zu der Fastnacht hat man den Teiler beim Bottich ein wenig gesehen.

Den 19. Februar abends um 9 Uhr brannte am Wolfstein Michael Köhlers Gut ab.

Den 21. Februar bekam ein böhmischer Mann, welcher sich hier aufgehalten, den Staupbesen.

Den 14. März war eine Hure, welche bei einem Soldaten des nachts im Quartier geblieben, ergriffen, von E. E. Rat eingezogen, ins Narrenhäusel gesteckt, wo sie von Jungen mit Kot beworfen wurde. Hernach wurde sie zum Mühltor hinaus gewiesen, allda sie von Jungen bis unter der Walkmühle mit Kot geleitet.

Den 17. März geht ein Mann, Paul Martin, ein Bauer von Neundorf, abends aus der Stadt nach Hause. Hinter dem Hospital bleibt er sitzen und erfriert. Merkwürdig ist hierbei, daß etliche Jahre zuvor Paul Martins Edelmann, Rudolph Heinrich von Hermannsdorf von seinem Stiefsohn, einen Cornetten, an eben derselben Stelle, da der Bauer erfroren war, erschossen wurde. Der Bauer und Edelmann hatten einen langwierigen Prozeß miteinander.

Am Sonntag Trinitatis marschierten unsere Soldaten aus den Quartieren fort.

Den 16. Juni zog eine Kompanie Dragoner durch; den 18. Juni eine Kompanie Kürassiere.

Den 16. Juni fiel ein Kind von 3 Jahren, Gerlachs Söhnlein, beim Büttner bei der Kirche zum Fenster von der Oberstube auf die Gasse, ohne Schaden zu nehmen.

Den 21. Juni, Mittag nach 12 Uhr, kam ein schweres Donnerwetter über die Stadt, schlug am Markt in der Frau Klug Margarethen Haus ein, zündete aber nicht. Vor der Tür erschlug es einen böhmischen Mann, welcher da feil hatte, und beschädigte noch einen Mann und eine Frau, die aber wieder geheilt wurden. Der tote Mann wurde Sonntag nach Mittag ohne Kosten abgeholt.
Es schlug auch in den Kirchturm, wo es auf der Seite nach Buchholz einen ziemlichen Strich Schiefer abgeschlagen, auch sonst hat es viel Schaden getan, welches wieder viel gekostet. Es schlug noch in verschiedene Häuser und Orte ein, deren Schaden man erst nach etlichen Tagen gefunden. Es ist aber doch Gott Lob ohne Brand abgegangen. Der heftigen Donnerschläge sind etliche zwanzig gezählet worden.

Den 4. Juli, an einem Freitag zwischen 9 und 10 Uhr, schlug das Wetter in den Kirchturm ein. Nach dem Böhmischen Tor zu tat es keinen Schaden, aber nach dem Markt zu hat es den ganzen Turm vom Häuerglöckel bis auf des Türmers Stuben entzwei geschlagen, auch sind zwei Zimmerleute am Fenster gesessen, die sind umgefallen, aber gottlob ohne Schaden davon gekommen. Es hat auch nicht gezündet.

Den 7. Juli frühmorgens nach 3 Uhr wurde der Knopf vom Kirchturm abgenommen, weil oben am Turm von dem Donnerwetter viel Schaden geschehen. Er mußte ausgebessert und neu vergoldet werden. Im Knopf sind zwei kupferne Tafeln gefunden worden, worauf folgendes gestochen gewesen:

Anno Redemptoris 1497 sub Mense Septembri Illustrissimo Principe Duce Alberto Saxoniae feliciter gubernante Adificium hujus urbis aedificatum est Anno 1499, die 25. Aprilis jacta sunt prima Templi istus Fundamenta. Anno 1502 die 23. Aprilis sub Illustrissimo Principe Duce Georgio, Saxioniae etc. positum est hoc totum aedificium Anno 1533.

Factum sub
Heinrico a Gersdorff, Praefecto
Jodoco Freytag, Consule
Hieronymo Maydburg, Judice
Francisco Osterfeldt, Curatore aedificii

Auf dem anderen Täfelchen steht folgendes zu lesen:

ANNO post CHRISTUM NATVM 1604. DIE 27. Aprilis circiter Horam Pomeridian secundam Ignis in Platea WOLKENSTEINIANA, apud Fabrum automatorium David Spindlern de improvisis exortus, totam civitatem vna cum magnifica structura Templi, Curiae, alias aedficiis tam privatis, quam publicis, spatio fere octo Horarum consumtus fit, et in cineres dissolvit, excitatum est D. Dom. Christiano II., Electore, Johanne Georgio et Augusto Fratibus, Ducibus Saxoniae etc.
Dominus nostris clementissimus.
Factum sub
Francisco Fischero, Consule Johanne Eckstein
Balthasaro Zigler, Judice Donato Fischero
Mag. Petro Lehmann Michaele Schumann
Davide Schmidt Thoma Reisig
Petro Albrecht Mag. Christophoro Fischern
Bartholomaeo Jenisch Christophoro Gülden
Isaaco Beuther Paulo Schwaben, Senatoribus

Civis verrospatio trium annorum vltra trecenta aedificia redificarunt, collapse civitas pristinum nitorem recuperare coepit. Decursu Temporibus Anno 1607 Turri ruinosae absolutum fuit.

Factum sub
Mag. Petro Lehmann, Consule et Syndico
Mag. Christian Fischern, Judice
David Schmidt
Bartholomäo Jenisch
Isaac Beuther
Balthasar Zigler
Donato Fischern
Michael Schumann
Thoma Reisig
Paulo Schwaben
Jacob Sturm, Senatoribus

Den 28. Juli ist der Knopf auf den Kirchturm wieder aufgesetzt worden, haben zugebracht von früh 3 Uhr an bis halbweg 8 Uhr; es ist hell und stille gewesen.

Den 13. Juli, am Tage Margaretha Nachmittag, schlug das Wetter zu Scheibenberg oberhalb der Kirche in die Scheunen und brannte sechse ab.

Den 14. Juli schlug das Wetter vor dem Wolkensteiner Tor, in Frau Meyerin Vorwerk in die Mauer am Garten.

Den 15. Juli war von Morgen bis Abend schweres Donnerwetter um und über der Stadt; tat auch etliche furchtbare Donnerschläge, es geschah aber in der Stadt kein Schaden.

Den 20. Juli kam abends zwischen 8 und 9 Uhr ein blitzend Wetter und ist ein großes Wetterleuchten bald die ganze Nacht hindurch gewesen.

Den 31. Juli kam im Gasthof "Zum Wilden Mann" Abend nach 5 Uhr Feuer aus, wurde aber gelöscht.

Den 30. September wurde in Grünhain Herrn Pastor Christian Breitfelds Begräbnis gehalten, war zwar einige Tage zuvor beigesetzt, ist sonsten übers Jahr seiner Sinnen beraubt gewesen, auch so gestorben.

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