Annaberg anno 1680 - Alterzgebirge

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Annaberg anno 1680

In: Georg Kleinhempel, Annaberger Annalen 1658 - 1735, Transliteration: Helmut Unger

Den 9. März ist ein Dieb zu Schwarzenberg gehenkt worden und den 2. April ist er vom Galgen gestohlen worden.

Den 17. April ist Graf Dohna von Klösterlein aus Böhmen hierher in die Stadt gekommen, er hat wegen Aufruhr seiner Untertanen entweichen müssen.

Den 21. April ist das Böhmerland unseren Bürgern verboten worden von Ihrer Kurfürstl. Durchl. wegen Grassieren der herumschleichenden Pest.

Den 28. April ist die Orgel wieder geschlagen worden.

Den 22. Mai sind zu Saaz in Böhmen von den aufrührerischen Bauern zwei gehenkt, einer geköpft und einer gevierteilt und die Viertel auf vier Straßen herum gehängt worden.

Den 2. Juni und darauffolgend hat sich das Sterben zu Dresden und auf dem Lande absonderlich zu Lengefeld sehr ereignet, so daß große Not besonders wegen Lebensmittel gewesen. Auch von hiesiger Stadt ist Brot, Bier und Salz nach Lengefeld geschickt worden.

Den 17. Juli hat sich die Pest auch hier angesponnen auf der hinteren Gasse hinter der Scherbank, die sieben Häuslein genannt, allda bei einem Prediger sieben Personen aus einem Haus sämtlich gestorben. Dieses ist von einem Steckenknecht angesteckt worden, der von Dresden kommen allda in Quartier gelegen. Solches ereignete sich auf denselben Gassen und anderweit noch mehrmals, welches dann hier unter den Leuten, die nichts von der Pest gewußt, große Furcht und Schrecken verursacht. Etliche Leute haben von solcher Furcht und Schrecken die Seuche an den Hals bekommen, doch haben sich die Leute fleißig zur Kirche und zum Gottesdienst eingefunden. Besonders wenn es am gefährlichsten war, haben sich bis 400 Kommunikanten und darüber in der Kirche befunden.

Im August ist das Siechhaus bei der Henkerei an der Stadtmauer gebaut worden.

Im Oktober ist der runde Turm bei dem Böhmischen Tor wieder angerichtet worden für die Kranken in der Pest.

Zu den landesherrlich angeordneten allgemeinen Fasten-, Buß- und Bettagen hat sich viel Volk eingefunden, den lieben Gott um Abwendung der Strafe herzlich ersuchet, welches der liebe Gott auch aus Gnaden erhöret, also daß vom 17. Juli an bis zum Neujahr 1681 in 40  Häusern in und außerhalb der Stadt nicht mehr an der Seuche als 171 Personen gestorben. Größtenteils ist es Jugend gewesen.

Den 22. August ist Kurfürst Johann Georg II. zu Sachsen durch den Tod von dieser Welt selig zu Freiberg abgeschieden, abends ¾ auf 7 Uhr und vier Wochen ist alle Tage eine Stunde geläutet worden.

Den 8. September ist das kurfürstliche Leichenbegängnis gehalten worden, wozu am Donnerstag zuvor auf Anordnung eines löblichen Magistrates durch einen Viertelsmeister nebst einer Ausschußperson in einem jeden Viertel der Stadt zu solcher Prozession gebeten worden. Hernach am Sonntag ist vom Rathaus bis in die große Kirche eine ordentliche Prozession gehalten worden, mit Mannspersonen

in langen Mänteln  228
in kurzen Mänteln  280
Jungfrauen  102
Weiber  288


Den 23. Dezember hat der Rat im Rathaus ein Bierreis herausgehängt, daß sie Scheibenberger Bier haben schänken lassen, und den 17. Januar 1681 hat der Rat das Bierreis müssen wegtun, weil die Viertelsmeister, Ausschuß und Bürgerschaft nicht zulassen wollten, daß aus dem Rathaus ein Bierhaus gemacht werde.

Dieser Winter, der um Martini mit Schlittenfahren angefangen, hat Kälte und Schnee gebracht, wie sich bald niemand gedenken konnte.

Obgleich Böhmen gesperrt gewesen, hat das Korn dieses Jahr 2  Taler gegolten und ist gottlob kein Mangel entstanden.


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